10.000 Schüler in 12 Länder gebracht
NWZ-Artikel vom 01.03.2025: 10.000 Schüler in 12 Länder gebracht
Mit Oldenburger Verein fahren 10.000 Schüler in zwölf Länder
Der Verein „ICX“ besteht seit 50 Jahren in Oldenburg. 10.000 Schüler sind mit ihm schon ins Ausland gefahren. Was sagt der Chef und was sagen Teilnehmer? Am 23. Mai ist „Tag der offenen Tür“.
Oldenburg - Es war in Los Angeles, bei den Olympischen Spielen 1984, das Jahr von Carl Lewis und Ecaterina Szabo – und Christian Orth war hautnah dabei. Da war der Schüler aus Wildeshausen gerade 16 Jahre alt. Die fünf Wochen bei seinen Verwandten in den USA haben ihn geprägt – und den Reiz anderer Länder früh erkennen lassen. Noch im Studium ging Orth auf Weltreise. Seit neun Jahren ist er Geschäftsführer des Oldenburger Vereins „ICXchange“ (ICX), ehrenamtlicher Präsident ist der Oldenburger Torsten Tschigor. Seit 50 Jahren fahren Jugendliche mit Lust auf Reisen, Sprache und Kultur aus ganz Deutschland in eines der zwölf Länder, die der „International Cultural Exchange“ unter der Flagge von gegenseitigem Respekt und Völkerverständigung ansteuert.
Die Gründer
Jürgen Schrön, der das Stadtfest ins Leben gerufen und die Weser-Ems-Hallen geleitet hat, gab 1974 mit ein paar Freunden den Anstoß zur Gründung des gemeinnützigen Vereins ICXchange. Heute ist er dessen Ehrenpräsident. Ausgangspunkt waren Kontakte über die Oldenburger Spedition Kreye nach Argentinien. „Darüber kamen in den 70ern jedes Jahr schon 30 bis 40 junge Argentinier nach Oldenburg“, sagt Orth. Mit der Vereinsgründung bekam der Argentinien-Austausch rechtlich und organisatorisch den abgesicherten Rahmen eines klassischen Reiseveranstalters – und wuchs und wuchs.
Sprachen und Länder
Für viele Schüler ist es erstmal eine gute Möglichkeit, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Orth sagt: „Englisch ist in der Schule die wichtigste Sprache, dann spanisch, dann französisch – so wird das Land ausgewählt. Am beliebtesten sind hier USA, Irland und England, dann folgen Spanien, Argentinien, Costa Rica und Ecuador und für Französisch Frankreich und Kanada mit Quebec.“ Aber auch exotische Ziele wie Neufundland und die Galapagos-Inseln sind im Programm. Orth selbst findet auch „Kanada und Neuseeland empfehlenswert, weil ihre Schulsysteme im weltweiten Ranking ganz oben stehen“.
Schülerinnen und Schüler
Drei Viertel der ICX-Teilnehmer sind Mädchen, alle zwischen 15 und 18 Jahren, die meisten aus Klasse 10 oder 11, am häufigsten gehen sie für ein halbes Jahr in ihr Wunschland. Christian Orth sagt: „Die Mädchen sind von der Entwicklung weiter als die Jungen und eher bereit, eine Reise in ein unbekanntes Land zu machen. Die Jungen machen das oft später, zum Beispiel im Studium, über Work & Travel oder Weltreisen.“ 40 Prozent der Teilnehmer kommen aus Niedersachsen, die Hälfte davon aus Oldenburg und Umgebung, die anderen häufig aus den Bereichen Hannover und Bremen.
Einer der Effekte
Über einen der markantesten Effekte auf die jungen Reisenden sagt der Geschäftsführer: „Die Schüler reifen so schnell in dieser Zeit, die Eltern bekommen ein viel reiferes Kind zurück und fragen sich schon mal: Huch, ist das mein Kind?“ Das reiche von der Selbstständigkeit bis zum Gesprächsverhalten.
Das Programm
In den Zielländern arbeitet ICX mit Austauschorganisationen oder Schulbehörden zusammen. Neben den Langzeitprogrammen mit High-School-Besuch gibt es mehrwöchige Sprachferienprogramme und vier- bis achtwöchige School-Guest-Programme mit High-School-Besuch und Gastfamilie in vielen Ländern, dazu Schul- und Familienaufenthalte für ausländische Schüler in Deutschland.
Eine Teilnehmerin
10.000 Schüler und Schülerinnen sind schon mit den Oldenburgern ins Ausland gefahren – 158 im vergangenen Jahr.
Und aus anderen Ländern kommen junge Leute über ICX nach Deutschland – so wie die junge Italienerin Mathilde Labonia, die bis Dezember 2024 mit ICX für vier Monate bei einer Familie in Solingen zu Gast war.
Am Anfang ihres Berichts schreibt sie: „Ich hatte tausend Zweifel.“ Und am Ende: „Diese vier Monate haben mein Leben verändert. Ich bin wirklich glücklich über jeden Moment, den ich dort erlebt habe, und ich würde diese Wahl noch tausendmal treffen. Der schönste Aspekt meiner Erfahrung war die Beziehung zu meiner Gastfamilie und meinen ,Brüdern’: Ich hoffe sie bald wiederzusehen, ich vermisse sie alle.“
„Offene Tür“ zum Jubiläum
Gefeiert wird das 50-jährige Bestehen des Schüleraustausches „Made in Oldenburg“ am Freitag, 23. Mai, von 12 bis 18 Uhr mit einem „Tag der offenen Tür“ bei ICXchange an der Bahnhofstraße 16-18 – mit einem Einblick in die Arbeit, in die Möglichkeiten des Schüleraustauschs, in das Team und die Programme, mit Kurzvorträgen zu allen Austauschländern.
Karsten Röhr NWZ Redaktion Oldenburg
