Valencia – Mi segunda patria

Im letzten Frühjahr habe ich drei ebenso wundervolle wie lehrreiche Monate in der spanischen Stadt Valencia verbracht. Ich habe in einem kleinen Dorf namens Masias gelebt, das mit der Metro nur ca. 20 Minuten vom Zentrum Valencias entfernt liegt. Mit meiner Gastfamilie hätte es mich nicht besser treffen können.

Zusammen mit meiner Gastmutter, meiner Gastoma und meiner Gastschwester sowie zwei Hunden habe ich in einem wunderschönen Haus gelebt und einen typischen Frauenhaushalt genossen. An den Wochenenden kam oftmals der Rest der Familie zu Besuch, mit dem wir dann gemeinsam die typisch spanische Paella gegessen haben, die zu einem meiner Leibgerichte wurde.

Die gemeinsamen Wochenenden waren jedes Mal aufs Neue aufregend und unglaublich lustig, obwohl es mit der Verständigung zu Anfang nicht leicht war. Aber es wurde mit der Sprache von Tag zu Tag besser, weil mir von allen Seiten kräftig geholfen wurde. Bereits nach zwei Wochen machten sich erste Fortschritte bemerkbar und das Reden und Verstehen fiel mir von Tag zu Tag leichter.

Schule mal anders: aufgeschlossen und natürlich!

Da ich ja in Valencia nicht im Urlaub war, habe ich natürlich jeden Tag die Schule im Nachbarort Moncada besucht. Zuerst war ich unglaublich aufgeregt, ich hatte nicht die geringste Ahnung, was mich auf dem San Jaime Apostol erwartet. Doch eins konnte ich direkt nach dem ersten Tag sagen: Schüler und Lehrer sind um einiges aufgeschlossener und natürlicher als in Deutschland. Ich wurde begrüßt, als wäre ich eine alte Bekannte. Von allen Seiten wurde mir Hilfe angeboten und bereits eine Woche später war ich mit meinen neuen Freunden in Valencia zum Shoppen unterwegs.

Lehrer sind fast wie Freunde

Die Lehrer informierten sich jede Woche aufs Neue über mein Wohlbefinden. Man könnte fast sagen, sie sind gar keine richtigen Lehrer, sondern eher Freunde, denen das Wohl ihrer Schüler sehr am Herzen liegt. Durch die allgemeine Freundlichkeit und Gelassenheit gestaltete sich der Schulalltag wesentlich angenehmer als in Deutschland. Ansonsten läuft es allerdings ähnlich ab wie bei uns. Der Unterricht begann jeden Tag um 8.30 Uhr und endete meistens gegen 17.00 Uhr. Allerdings gab es mittags eine längere Pause, in der die Schüler zum Essen nach Hause gehen und sich auch auf den Nachmittagsunterricht vorbereiten könnten.

Klassenfahrt nach Salamanca

Das absolute Highlight war definitiv die Klassenfahrt nach Salamanca, wo wir drei unglaublich lustige Tage verbrachten. Auf ein hartes kulturelles Programm (für uns Jugendliche eher weniger aufregend) folgte eine Partynacht auf die andere. Zusammen zogen wir durch die Straßen und Clubs Salamancas, und nicht nur wir hatten unglaublich viel Spaß, sondern auch unsere Lehrer.

Die Freundschaften, die ich bereits in den ersten zwei Wochen schließen konnte, wurden durch diese Klassenfahrt noch um einiges gestärkt.

Valencia en Fallas – Wenn die Spanier durchdrehen

Die Fallas, ein typisch valencianisches Fest, waren der perfekte Abschluss meiner Zeit in Spanien. Nachdem wir Schüler alle schulischen Pflichten hinter uns gebracht hatten, bekamen wir schulfrei und konnten nach Valencia fahren, um dort die Mascleta anzuschauen, ein riesiges Feuerwerk, das während der Festtage jeden Tag um 13.00 Uhr stattfindet.

Valencia befindet sich während den Fallas in einem absoluten Ausnahmezustand!

Die Straßen sind gesperrt und riesige Menschenmengen befinden sich im Zentrum, um miteinander zu feiern. In den Straßen stehen gigantische Figuren aus Pappmaschee, die sogenannten „Ninots“, an denen ein ganzes Jahr lang gebaut wird. In der Nacht des Feuers – „la nit del foc“ (valencianisch) – werden diese atemberaubenden Figuren in einem riesigen Feuerspektakel verbrannt, was von ganz Valencia bejubelt wird.

Es war ein tolles Erlebnis, dieses Fest miterleben zu dürfen und das Klischee, dass alle Spanier gerne feiern, hat sich für mich durch die Fallas eindeutig bewahrheitet.

Adios, mi segunda patria

Nach drei kurzen Monaten war es dann soweit, und ich musste mich von meiner zweiten Heimat verabschieden. Ich freute mich zwar unglaublich auf meine Familie hier in Deutschland, doch wäre ich auch gerne noch länger geblieben. Während meiner Zeit in Valencia bekam ich ein komplett neues Lebensgefühl vermittelt, denn das Leben in Spanien ist mit dem deutschen einfach nicht zu vergleichen.

Ich habe neben einer wunderschönen Stadt unzählige nette Menschen kennengelernt, die mich an meinem letzten Abend sogar mit einer Abschiedsfeier überraschten, was mir den Abschied allerdings noch schwerer machte. Schon jetzt freue ich mich auf den nächsten Besuch in meiner zweiten Heimat, Valencia! España, olé!

Paulina aus Ellerau war für ein Trimester mit ICX als Austauschschülerin in Masias bei Valencia, Spanien.