Rede einfach drauf los!

Ich muss ehrlich zugeben: Nie habe ich mich mit dem Gedanken befasst, einen Austausch zu machen. Ich war eher so ein Urlaubsmensch und fahre mit Familie oder Freunden an einen schönen Ort, damit ich bei meiner Sprache bleiben kann.

Doch eines Tages, da hat es irgendwie „klick“ gemacht, als in der Schule Zettel zum Austausch-Infoabend verteilt wurden. Heute kann ich sagen, der Austausch war wohl die schlauste Entscheidung, die ich je hätte treffen können. Ein wenig spontan war es vielleicht doch, schließlich habe ich mich erst zwei Wochen vor Bewerbungsschluss beworben und auch meine Eltern damit sehr überrumpelt, aber es war dennoch machbar.

Ich habe das große Glück, dass eine sehr gute Freundin auch an einem Austausch interessiert war und wir dieses große Abenteuer zusammen starten und erleben konnten.

Sogar am selben Tag bekamen wir unsere Gastfamilie, etwa Mitte Dezember. Anfang Februar sollte es dann losgehen. Und das kam schneller, als man dachte.

Und schon ging es los nach Winnipeg

Alle erzählten mir: „Ohhh, die Zeit wird für dich so schnell vergehen!“ und „ Es wird alles anders, als du denkst.“ Am 2. Februar ging es dann am Bremer Flughafen los. Wir verabschiedeten uns von Freunden und Familie und gingen durch die Zollkontrolle. Wir müssen wohl sehr verheult ausgesehen haben, denn eine Frau fragte uns: „Ein Jahr?“. Wir antworteten nur: „Drei Monate!“ und trotzten uns unserer Wege weiter. Zudem vergaßen wir wohl die Zeit, sodass eine Durchsage für uns folgte.

Doch wir schafften es schließlich bis Frankfurt und nach einiger Zeit auch Toronto. Dort gab es dann doch einige Komplikationen mit unserem Anschlussflug nach Winnipeg. Also entstand unsere erste Kommunikation in Englisch. Zu meinem Erstaunen verstand ich alles ziemlich gut, in der Schule war ich nämlich nie so richtig gut. Schon da stand für mich fest: „Rede einfach, egal wie es klingt, welche Grammatik du beherrschst oder was andere sagen.“

Ankunft in der Gastfamilie

In Winnipeg angekommen wurden wir total herzlich von unseren Gastfamilien empfangen. Ich versuchte, so viel, wie möglich mit ihnen zu kommunizieren, doch ich muss zugeben, durch meinen übermüdeten Zustand war mein Englisch miserabel. Ich hatte das Glück eine 14-jährige Gastschwester zu haben, die sehr verständnisvoll war, sodass ich nach einer kleinen Haustour direkt ins Bett gegangen bin. Diese Nacht (und auch die folgenden) waren, Dank des Jetlag eher durchwachsen und kurz. Auch die ersten Tage waren erstmal ungewohnt und ein kleiner Kulturschock, doch meine Gastfamilie hat alles dafür getan, dass ich mich wohlfühlen konnte und es mir gut ging. Drei Tage nach meiner Ankunft kam dann auch Maria, meine Internationale Gastschwester aus Brasilien, an.

Dann stand auch schon mein erster Schultag vor der Tür.

Dadurch das meine Gastschwester und ich anfangs noch nicht so ganz auf einer Wellenlänge waren, war dieser für mich nicht ganz so angenehm, da ich mich sehr alleine fühlte, auch dadurch, dass ich zwischen vielen Mexikanern und Brasilianern, die einzige deutsche Austauschschülerin auf der Schule war. Doch schon nach einigen Tagen, wurde ich auch von ihnen sehr gut aufgenommen und begann Freunde zu finden. In der Schule belegte ich die Fächer Englisch, Französisch, Mathe, Kunst und Naturwissenschaften (Science). In Kanada ist das Schulsystem ein wenig anders und man hat pro Schulhalbjahr vier bis fünf verschiedene Fächer. Der Schultag ist in fünf Perioden aufgeteilt, die jeweils um die 60 Minuten lang sind. Zwischen Periode drei und vier liegt eine 55-minütige Mittagspause. Meine Fächer konnte ich so gut wie selbst wählen, da ich keine Vorlagen meiner deutschen Schule hatte.

Zudem kam, dass ich den Austausch schon in der 9. Klasse gemacht habe und auch in Kanada in der 9. Klasse war. Die meisten machen den Austausch später und werden in die 10. Klasse eingestuft. In der 9. Klasse war ich als Austauschschülerin ein Einzelfall und alle meine Mitschüler waren mit so etwas noch nicht ganz vertraut, somit hatte ich nicht so viel Kontakt zu Kanadiern, aber dafür viel besseren zu Austauschschülern aus Mexiko, Spanien, Brasilien, China, Kolumbien und Taiwan.

Nach und nach wurden die Freundschaften enger

Je mehr Zeit verging, umso besser wurde alles. Meine Freundschaften wurden enger, mein Englisch wurde besser, mit meiner Gastfamilie hatte ich mehr und mehr Spaß und auch Maria und ich bauten ein sehr gutes Verhältnis auf. Da ich mich mit einer Mexikanerin und Spanierin sehr gut angefreundet hatte und wir jeden Tag etwas zusammen unternahmen, nahm ich Maria einfach mit und aus uns wurde eine unzertrennliche Clique. Durch die kalten Temperaturen, wie -40° C, konnte man so gut wie nichts anderes unternehmen, als Essen, shoppen oder skaten gehen :( Ganz zum Leiden für mein Portemonnaie und meiner Figur. Aber auch das, hat einfach Spaß gemacht, genau wie unsere wöchentlichen Sleepovers und gemeinsame Abende mit allen Austauschschülern unseres Schulbezirks.

In Winnipeg befindet sich ein Ort, der nennt sich “the Forks“, dort kann man im Winter auf einem sehr langen See Schlittschuhfahren gehen, sich mit Freunden treffen, in kleinen Läden Souvenirs kaufen oder spezielles Essen probieren. Also kann man auch da einfach hingehen und seine Freizeit verbringen. So verging dann die Zeit immer schneller, mit vielen emotionalen Höhen und Tiefen. Die Schule fiel mir schlussendlich total leicht und ich wurde sogar richtig gut. Einmal im Monat hatten wir einen Ausflug mit allen Austauschschülern der Schule. Beim ersten Treffen sind wir Bromball spielen gewesen, eine Art Ice Hockey, bloß ohne Schlittschuhe und breiterem Schläger. Das zweite Mal waren wir auf einer Maple Tree Farm und Laser Tag spielen. Und an meinem letzten Ausflug, waren wir im Mint Winnipeg, wo das Geld hergestellt wird.

Und schon hieß es wieder Abschied nehmen

Und da drei Monate leider gar nicht so viel waren, neigte sich meine Zeit dem Ende zu. Vorher stand aber auch noch ein Rihanna Konzert vor der Tür, das ich mir bei der Gelegenheit nicht entgehen lassen habe. Es war das erste Konzert in meinem Leben und ein unvergessliches Ereignis, das ich mit meinen internationalen Freunden teilen durfte.

Meine letzten Tage waren echt mit die schönsten und ich wäre gerne noch länger geblieben, also dachte ich über eine Verlängerung nach. Doch bekanntlich soll man gehen, wann es am schönsten ist, und auch in nur drei Monaten habe ich so viel erlebt, sodass ich meinen Heimweg sehr zufrieden antrat.

Die Verabschiedung war wohl die tränenreichste, die ich in meinem Leben erlebt hatte. Es war einfach unglaublich schwer, sich von Leuten verabschieden zu müssen, die man in nur kurzer Zeit sehr lieb gewonnen hat und mit denen man sehr ereignisreiche Monate erlebt hat. Zudem Weiß man nicht, wann man nochmal auf diese Menschen treffen wird.

Wir alle kamen aus verschiedenen Ländern alleine nach Kanada, ohne zu wissen was passiert und fanden in uns Freunde fürs Leben.

Zusammenfassend kann ich sagen, in diesen drei Monaten habe ich die emotionalsten Wochen meines Lebens erlebt, habe Freunde fürs Leben gewonnen, die aus der ganzen Welt kommen. Habe ein ganz anderes Lebensverständnis bekommen und einen anderen Eindruck der gesamten Welt. Ich habe gelernt mit neuen Dingen anders umzugehen und einfach offen zu sein. Man kann nie wissen, was einen erwartet, also einfach loslegen – und man wird es in Erfahrung bringen. Und ganz nebenbei habe ich noch mein Englisch verbessert.

In diesem Sinne möchte mich nochmal sehr bei meiner Familie und bei meinen Freunden bedanken, die mich sehr unterstützt haben, und auch bei ICX, denen ich diese wundervolle Zeit zu verdanken habe und auf die man sich sehr gut verlassen konnte.

Vanessa aus Wardenburg besuchte im 2. Trimester eine High School in Winnipeg, Manitoba, Kanada