Meine Reise bis ans Ende des Regenbogens

Anfang Januar ging es los. Ganz früh am Morgen stieg ich in mein Flugzeug von Bremen nach Frankfurt, wo ich auch die anderen elf Irland-Austauschschüler traf. Ich hatte sie zum Glück schon alle beim Vorbereitungstreffen kennengelernt. Gemeinsam flogen wir dann weiter nach Dublin.

Wir wurden von einem Busfahrer abgeholt, und natürlich wollte ich erst einmal auf der falschen Seite des Busses einsteigen. Von Dublin aus ging es mit dem Bus Richtung Südwesten. Als wir am Nachmittag endlich in Cork ankamen und die Gastfamilien auf dem Parkplatz auf uns warten sahen, war die Vorfreude riesig. Ich wurde von meiner Gastmutter Iris und meiner kleineren Gastschwester Aoife (8) abgeholt. Mit ihnen ging ich dann erst mal meine Schuluniform kaufen, die ich wie jeder andere Schüler tragen musste. Meine Gastfamilie wohnt in Carrigaline, einem kleinen Ort südlich von Cork. Zuhause lernte ich auch meinen Gastvater Eddie und später auch Jade (13), die ältere Gastschwester, kennen.

Meine Gastfamilie: Die Chemie hat einfach gestimmt

Mit meiner Gastfamilie, besonders mit meinen Gastschwestern, verstand ich mich extrem gut. Es war immer Leben in dem kleinen gelben Haus und besonders meine kleine Gastschwester ist mir sehr ans Herz gewachsen (auch wenn ich beim „Mensch ärgere dich nicht“ immerhaushoch gegen sie verlor). Auch an die beiden Katzen konnte ich mich gewöhnen, obwohl die eine immer auf meinem Bett schlief, wenn ich von der Schule nach Hause kam.

Was ich durch meine Gastfamilie besonders gelernt habe, ist Selbständigkeit, da von mir erwartet wurde, dass ich fast alle Schwierigkeiten alleine löse, auch wenn ich meine Gasteltern immer um Hilfe hätte fragen können, wenn ich nicht weiter gewusst hätte.

An die Schuluniform gewöhnt man sich schnell

Natürlich musste ich auch zur Schule gehen. Am Anfang war es etwas merkwürdig, eine Schuluniform zu tragen, aber irgendwann war es für mich einfach ganz normal. Ich habe es genossen, morgens nicht darüber nachdenken zu müssen, was ich anziehen soll.

Besucht habe ich eine der wenigen gemischten Schulen in Cork. Sie lag in Crosshaven, einem kleinen Dorf, das eine halbe Stunde von meinem Zuhause entfernt war. Von der Schule hatte ich einen direkten Blick aufs Wasser.

An meinem ersten Schultag brachte mich mein Gastvater morgens hin. Ich war total aufgeregt. Eigentlich hätte ich mich mit einer anderen Deutschen im Sekretariat melden sollen, aber in der ganzen Schule herrschte Chaos, weil in der Nacht dort jemand eingebrochen hatte. Zum Glück fanden wir eine andere Deutsche, die uns zum zuständigen Lehrer brachte. Ich ging ins Transition Year, das in etwa mit unserer 10. Klasse zu vergleichen ist.

Eigene Studien in Psychology und 3D-Entwürfe am PC

Im Unterricht machten wir die verschiedensten Sachen, z.B. durften wir in Psychology unsere eigenen Studien durchführen und in DCG lernten wir, Gegenstände in 3D am PC zu entwerfen. In PE (Physical Education) lernte ich neue Sportarten wie Ultimate Frisbee und Taekwondo kennen, und es wurden viele Ausflüge gemacht. Leider durfte ich den Irisch-Unterricht nicht besuchen, weil ich zusammen mit allen anderen Austauschschülern in Englisch unterrichtet wurde. Auch das typische Home Economyics (das ist ein bisschen wie Hauswirtschaft) konnte ich leider nicht ausprobieren. Dafür gab es an meiner Schule keine Summer Exams, womit mir das große Lernen am Ende des Schuljahres erspart blieb.

Mit dem Bus auf kurvigen Straßen, an den vielen Schafen vorbei bis zum Ende des Regenbogens

In meiner Freizeit war ich viel unterwegs und versuchte möglichst viel von der Umgebung zu sehen. Außerdem spielte ich Tennis. Mein persönliches Highlight war die Reise in der „Midterm Break“. So nennt man die eine Woche Ferien, die es immer in der Hälfte eines Terms gibt. Mit fünf anderen deutschen Austauschschülerinnen reiste ich an Irlands Westküste entlang. Wir planten vorher alles gemeinsam: von der Wahl der Busse bis zu den Hostels. Und dann ging es los! Von Galways aus in Richtung Süden. Natürlich besuchten wir auch die Cliffs of Moher. Es war sehr lustig, einmal ganz am Rand zu sitzen, und viele Meter unter sich den Atlantik zu wissen. Auf den langen Busfahrten sahen wir Irland, wie es im Bilderbuch zu finden ist, mit schmalen kurvigen Straßen und vielen Schafen.

Auch der Besuch beim Torc Waterfall in Killarney war eine interessante Erfahrung, da der Busfahrer uns vorher warnte, bloß nicht die Wege zu verlassen. Er sagte, wir würden sonst in Feenkreise treten. Auch das Ende des Regenbogens habe ich gesehen. Leider ohne Goldtopf und echten Leprechaun (so nennen die Iren ihre Kobolde).

Am St. Patrick‘s Day, Irlands bekanntestem Feiertag, fuhr ich mit einer großen Gruppe Mitschüler nach Dublin. Wir waren alle grün angezogen und mit Irlandfahnen und Hüten bestückt. In Dublin war es total voll, sodass wir von der Parade kaum etwas sehen konnten. Aber es war trotzdem sehr lustig.

Ich bin sehr froh nach Irland gegangen zu sein. Umso schwieriger war es wieder „Good Bye“ zu sagen. Auch wenn ich hoch und heilig versprechen musste wieder zu kommen. Ich habe so viele tolle Erfahrungen gesammelt. Und besonders meinem Englisch hat es unglaublich gut getan. Es war schön, die Kultur dieser kleinen grünen Insel kennengelernt und so viele verschiedene Menschen getroffen zu haben.

Elisabeth aus Varel war für zwei Trimester mit ICX als Austauschschülerin in Cork, Irland.