Mein Schulalltag an der Langround Academy, Peterborough

Mein Name ist Jana. Ich habe als Austauschschülerin fünf Monate in England, genauer gesagt in Peterborough, verbracht. Peterborough ist eine recht große Stadt mit ca. 185.000 Einwohnern. Sie hat einen sehr schönen Stadtkern mit vielen Geschäften, zudem gibt es eine riesige Kathedrale. Gelebt habe ich bei einer typisch britischen Gastfamilie, bei denen 24 Stunden am Tag der Fernseher, auch „telly“ genannt, lief. Außerdem war der Wasserkocher ständig im Einsatz, um Tee aufzugießen, der mit Milch getrunken wurde.

Dadurch, dass die leiblichen Kinder meiner Gasteltern schon um die 30 Jahre alt und längst ausgezogen waren, war ich also das einzige Kind im Haus, was für mich aber kein Problem darstellte. Obwohl ich so zentral wohnte, musste ich zur Schule jeden Morgen 20 Minuten mit dem Bus fahren. Diese berühmten englischen Doppeldeckerbusse erinnerten mich jedes Mal daran, auf was für ein Abenteuer ich mich eingelassen hatte. Noch britischer hätte dieser Start in den Tag kaum daherkommen können.

Die größten Unterschiede habe ich jedoch in der Schule bemerkt. Ich habe die Sixth Form, sprich Oberstufe, der Stanground Academy besucht. Bereits nach ein paar Tagen war ich überrascht darüber, wie anders es da drüben doch zugeht. Zuerst einmal hat man nur vier, höchstens fünf Schulfächer. Meistens ist es auch völlig egal, was man wählt, man muss sich an keine Richtlinien halten. Ich persönlich habe mich dann dazu entschieden, zum einen Fächer zu wählen, die in Deutschland so nicht konkret angeboten werden, und zum anderen Fächer aus völlig verschiedenen Bereichen, damit ich meinen Wortschatz möglichst großflächig erweitern konnte. Meine Wahl fiel auf die Fächer Psychology, Biology, English Literature und General Studies, wobei sich das letztgenannte als ein Fach herausstellte, in dem man aktuelle Themen im Bereich der Ethik, Soziologie und Naturwissenschaft diskutierte. Im Allgemeinen war ich mit meiner Wahl auch durchgehend zufrieden, und meine Theorie bezüglich der Vokabular-Erweiterung hat sich absolut bestätigt.

Schuluniform und Dresscode

Das einzig wirklich Anstrengende war jedoch die Penibilität, mit der auf den Dresscode und die Uniformen geachtet wurde. An meiner Schule waren Schüler vom 7. bis 13. Schuljahr zugelassen, wobei das 12. und 13. Schuljahr die Oberstufe bildeten. Die Schüler der Unter- und Mittelstufe mussten Uniformen tragen, die von der Schule bereitgestellt wurden. Als Schülerin der Oberstufe hatte man es jedoch ein bisschen schwerer, da man sich an einen Dresscode zu halten hatte, der ziemlich schwammig formuliert war. Hauptsächlich beinhaltete dieser Dresscode knielange Röcke oder Business-Stoffhosen, Blusen oder Pullover (einfarbig) und Lederschuhe (auf keinen Fall aus Stoff!), wobei keines der Kleidungsstücke ein Markenteil sein durfte. Da ich nicht mit so strikten Regeln gerechnet hatte, musste ich mich erst mal komplett neu einkleiden.

In den ersten beiden Schulwochen wurde den Schülern die Möglichkeit gegeben, sich entsprechende Kleidung zu besorgen. Danach wurden Briefe an sämtliche Eltern geschickt, die unterschrieben zurückgesendet werden mussten. Wer sich nach den zwei Wochen immer noch nicht an die Vorschriften hielt, wurde entweder nach Hause geschickt, um sich umzuziehen, oder zum Nachsitzen verdonnert. Auch musste jeder Schüler die sogenannte Lanyard umhaben. Dabei handelt es sich um eine kleine Plastikkarte, auf der Name, Klasse und Geburtsdatum zu lesen sind und die an einer Kordel um den Hals getragen wird. Wer sie einmal vergessen hatte, durfte sich auch direkt wieder nach Hause begeben, um sie zu holen. Ganz schön streng, im Vergleich zu deutschen Schulen. Aber im Allgemeinen muss ich sagen, dass ich diese Dresscode-Erfahrung sehr genossen habe. Schließlich war ich ja in England, um eine neue Kultur kennenzulernen.

Schulalltag völlig anders als in Deutschland

Mein Schulalltag war auch völlig anders strukturiert als der in Deutschland. Jeder Morgen begann mit sogenannten Tutor Classes, welche im Grunde ganz normale Klassen mit circa 20 Leuten waren, die sich zwischen 8.40 bis 9.00 Uhr trafen. Der Hauptgrund dieser Maßnahme bestand letztendlich darin, die Schüler über alle Neuigkeiten bezüglich der Regeln, außerschulischen Aktivitäten, Examen usw. auf dem Laufenden zu halten. Da den Lehrern aber ziemlich bald auffiel, dass es nicht jeden Morgen genug Neues gab, um damit zwanzig Minuten zu füllen, wurden stattdessen bestimmte Aktivitäten für bestimmte Wochentage festgelegt. Montags blieb wie gehabt, dienstags fanden Versammlungen für den Jahrgang 12 statt, mittwochs Versammlungen für den Jahrgang 13, donnerstags Lessons for Life und freitags ein Quiz. Lessons for Life bedeutet, dass die Lehrer sich ein Thema aussuchen, worüber sie ihre Schüler informieren wollen, z. B. Studentenverbindungen. Jede Woche rotierten die Lehrer dann und hielten ihren Vortrag somit jede Woche vor einer anderen Klasse, bis alle Schüler jede Lesson for Life einmal miterlebt hatten.

Nach den Tutor Classes hatte ich immer eine Doppelstunde, zwei Mal 50 Minuten, also bis 10:40 Uhr. Dann gab es eine Pause bis elf, dann noch mal eine Doppelstunde bis 12:40 Uhr und dann war Mittagspause bis 13:40 Uhr. Abschließend hatte ich noch eine Doppelstunde bis 15:20 Uhr.

Meine Schule hatte eine riesige Mensa, in der man mittags warm essen konnte. Viele Oberstufenschüler verließen jedoch in der Mittagspause das Schulgelände und holten sich Pommes oder ähnliches bei kleinen Shops in der Nähe. Genau das habe ich auch gemacht, weil ich nach einiger Zeit merkte, dass man dort die meisten Bekanntschaften schließen kann.

Viele Freunde schon nach kurzer Zeit

Schon nach einigen Wochen hatte ich sehr viele Freunde gefunden und bewegte mich auch einigermaßen sicher in diesen Kreisen. Da ich ja eine der wenigen Austauschschülerinnen war, kannte mich fast jeder.

Es ist noch wichtig hinzuzufügen, dass ich auch selbst auf meine englischen Mitschüler und Mitschülerinnen zugehen musste, um Kontakte zu knüpfen. Bereits in den ersten Tagen habe ich mir große Mühe gegeben, möglichst viel mit Engländern zu unternehmen und das hat auch geklappt. So kam es, dass ich bereits in den Sommerferien nach meinem Aufenthalt wieder nach Peterborough gefahren bin, um meine neuen Freunde zu besuchen. Es war ein wunderbares Wiedersehen.

Sicherlich ist in England vor allem in der Schule vieles anders, aber gerade deswegen ist meine Erfahrung einzigartig. Der Austausch im Allgemeinen war mit das Beste, was ich bisher in meinem Leben gemacht habe. Es hat mich nicht nur sprachlich, sondern auch menschlich sehr viel weitergebracht. Durch das aktive Ansprechen und Interagieren mit völlig fremden Leuten in einer anderen Sprache habe ich sehr viel an Selbstbewusstsein gewonnen, sodass ich heute viel offener auf Fremde zugehen kann.

Also alles in allem war dies eine nur zu empfehlende Reise, egal in welchem Alter und mit welchem Hintergrund!

Ich hoffe, dieser Erfahrungsbericht hat euch einen kleinen Einblick in den englischen Schulalltag gegeben und eure Spannung auf eure eigenen Erlebnisse noch verstärkt.

Jana aus Schwalmtal war für ein Schuljahr mit ICX Austauschschülerin in Peterborough, England.