In Ecuador ist vieles anders

Circa ein Jahr ist es jetzt her, dass ich meine Sachen gepackt habe und nach Ecuador geflogen bin. Von Hannover ging es los nach Amsterdam. Dort habe ich eine andere Austauschschülerin getroffen, die mit mir geflogen ist. Als ich im Flugzeug nach Ecuador saß, hatte sich meine Aufregung fast gelegt. Überall hörte ich Leute spanisch sprechen. Das Abenteuer begann.

Ich habe ein Jahr in Machala gelebt, einer Hafenstadt im Süden Ecuadors, circa eine halbe Stunde mit dem Auto von Peru entfernt. Meine Gastfamilie bestand aus meiner Gastmutter Rosita, meiner 15-jährigen Schwester Nicole und meiner Gastcousine Marianita (10 Jahre). In der Wohnung unter uns wohnten meine Gasttante Maryuri und ihre Tochter Melissa (5 Jahre). Meine neue Familie hat mich supernett empfangen. Marianita hat mich von Anfang an vollgetextet und auch mein Verhältnis zu Nicole wurde immer besser. Mit meiner Gastmutter hatte ich nicht ganz so viel zu tun, da sie tagsüber arbeiten war und erst abends wiedergekommen ist. Meine Gasttante hat mich jeden Morgen zur Schule gebracht und war auch nachmittags zu Hause.

Hilfsbereite Mitschüler

Eine Woche nach meiner Ankunft in Machala hatte ich meinen ersten Schultag. Meine Mitschüler haben mir vom ersten Tag an sehr geholfen. Wir sind richtig gute Freunde geworden. Besonders in den ersten Wochen war die Verständigung jedoch noch schwer, da ich kaum spanisch konnte. Durch meine Freunde habe ich aber sehr viel gelernt, und mit der Zeit wurde es immer besser. Auch außerhalb der Schule haben wir oft etwas unternommen. Meistens sind wir essen gegangen, was in Ecuador wirklich nicht teuer ist. Oder wir haben bei jemandem zu Hause etwas gekocht oder gebacken. Oft haben wir auch gemeinsam Filme geguckt, die man für einen Dollar auf dem Markt kriegen kann.

Quinzañera – große Feier zum 15. Geburtstag

Kurz nach meinem Geburtstag im Dezember war Nicoles Quinzañera. So wird der 15. Geburtstag eines Mädchens genannt. Er wird richtig groß gefeiert, da ein Mädchen ab seinem 15. Lebensjahr nicht mehr als Kind, sondern als Frau gesehen wird. Schon Wochen vorher sind wir durch ganz Machala gefahren, um ein Kleid für Nicole zu finden. Auch der Rest der Familie hat sich neu eingekleidet. Am Geburtstag selbst gab es ein großes Fest, zu dem alle Freunde und Verwandten eingeladen waren.

Plastikbaum zu Weihnachten – Brennende Monigote? An Silvester

Wenige Wochen nach der Quinzañera war Weihnachten. Zu der Zeit habe ich meine Familie in Deutschland sehr vermisst. Außerdem kam bei mir überhaupt keine Weihnachtsstimmung auf. Es war total warm, und dieses Gemütliche fehlte einfach. Alles war sehr kitschig-bunt dekoriert, und bei uns im Haus stand ein Plastiktannenbaum, der lila leuchtete, sich im Kreis drehte und dazu Lieder sang. Gefeiert haben wir nur den Heiligen Abend. Danach war auch schon alles wieder vorbei.

Ebenfalls anders, aber wesentlich besser war Silvester. In Ecuador werden zu Silvester Papierpuppen verbrannt, die das alte Jahr verkörpern. Auch wir haben eine „monigote“ gekauft. Am 31. Dezember haben sich dann alle vor den Häusern versammelt und die Figuren wurden auf der Straße verbrannt. Die ganze Straße entlang konnte man Feuer sehen. Um Mitternacht gab es – genau wie an Weihnachten – Truthahn zu essen und danach wurde noch gefeiert.

Nach Silvester wurde meine Zeit in Ecuador immer schöner. Mein Spanisch war schon relativ gut, und ich hatte mich gut eingelebt.

Viele Unternehmungen in den großen Ferien

Von Anfang März bis Anfang Mai hatten wir Ferien. In der ersten Woche wurde das Baby meiner Gastcousine aus Cuenca getauft. Wir haben morgens den Bus nach Cuenca genommen. Dort angekommen, wurde erst einmal gefrühstückt. Dann haben wir uns noch ein bisschen schlafen gelegt, uns dann umgezogen, geschminkt und die Haare gemacht. Nachmittags sind wir alle zur Kirche gefahren. Es wurden rund 20 Kinder während der Messe getauft. Entsprechend unruhig war es in der Kirche. Nach der Messe sind wir zum Elternhaus des Vaters gefahren, wo gegessen wurde. Danach haben wir wieder viel gefeiert und getanzt. Am nächsten Tag fuhren wir wieder nach Hause.

Mit meiner Familie war ich einige Male am Strand. Ansonsten bin ich in den Ferien viel gereist. Ich habe eine Freundin in Quito besucht und später noch die andere Austauschschülerin in Macas. Und obwohl ich erst überhaupt keine Lust auf so lange Ferien hatte, waren sie doch sehr schön.

Die drei Monate nach den Ferien waren wohl die besten meines Auslandsjahres und gleichzeitig auch die traurigsten. Viel zu schnell kam der Tag, an dem ich wieder nach Deutschland fliegen musste.

Was ich hier in Deutschland besonders vermisse, ist die Spontaneität und Gelassenheit der Ecuadorianer. Die Menschen dort sind einfach offener und nicht so ernst. Der Umgang miteinander ist viel lockerer, aber manchmal auch etwas oberflächlich. Auch ich bin sehr viel offener geworden. Außerdem sehe ich die Dinge nicht mehr immer so schwarz, sondern versuche, das Beste aus allem zu machen. Ich kann jedem nur empfehlen, ein Jahr im Ausland zu verbringen. Ich bin froh, dass ich diese Erfahrung machen durfte.

Anika aus Recke war für ein Schuljahr mit ICX als Austauschschülerin in Machala, Ecuador.