I still call Australia Home

Dieses verrückte Land der heißen Sonne und der Kängurus ist in sechs unvergesslichen Monaten zu meinem zweiten Zuhause geworden und mir sehr ans Herz gewachsen. Von den Aussies gerne als "Down Under" bezeichnet, erkennt man bald, dass der erste Eindruck einer uns bekannten westlichen Kultur etwas trügt und dass vieles hier wirklich anders ist als in Deutschland.

Damit meine ich nicht nur den Linksverkehr und den Koala im Park vor dem Haus, sondern die einmalige Mentalität der Australier. Der am häufigsten benutzte Satz, der auch ihre Lebensphilosophie beinhaltet, wird in allen Situationen benutzt. Ob es nun um die bevorstehende Arbeit geht oder um den teuren Teller, der dir gerade heruntergefallen ist. Oder ob es um den Hai geht, der einen Meter vor deinem Surfbrett auftaucht: "No worries mate!" charakterisiert das Leben in Australien einfach perfekt.

Ein Kontinent mit einem ganz besonderen Charakter

Als ich beim Anflug extrem aufgeregt im Flugzeug saß und durch das Fenster im rötlichen Licht der aufsteigenden Sonne die ersten kilometerlangen weißen Sandstrände erblickte, wich alle Angst von mir, und eine große Erwartungsfreude stieg in mir auf. Dass das Ziel Australien die beste Entscheidung war, die ich treffen konnte, wurde mir in kurzer Zeit klar. Wenn jemand einen neuen Kontinent entdecken will, der einen ganz besonderen Charakter und atemberaubende und extrem variierende Landschaften besitzt, kann ich dieses fantastische Land nur empfehlen. Ich fühlte mich, dank der offenen Mentalität, gleich wohl. Die Menschen in Australien sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Der Fahrer eines öffentlichen Busses hat mich einmal sogar vor der Haustür meiner Gastfamilie abgesetzt, weil er verstanden hatte, dass ich in die falsche Richtung gefahren war.

Als einzige Austauschschülerin aus Europa an der High School

Da ich die einzige Austauschschülerin aus Europa war, wurde ich in der Schule am ersten Tag so herzlich empfangen, dass mich die etwa 200 Schülerinnen und Schüler fast überrannt hätten. Das Zurechtfinden auf dem riesigen Gelände des Christian Outreach College, das morgendliche Öffnen eines mir zuvor unbekannten Lockers und das Verstehen des Aussie Humour wurde mithilfe der neuen Freunde schnell zum Alltag.

Ein tolles Ereignis jagte das nächste

Wochen und Monate flogen zwischen Beachvolleyball-Wettbewerben, Strandausflügen, schulischen Aktivitäten, Treffen mit Freunden und Familien-Barbies nur so dahin. Zu großem Heimweh hatte ich gar keine Zeit, denn wie meine Hostmum lachend sagte, kostete ich jede Minute aus und fand kaum Zeit zum Durchatmen. Meine Neugier und Unternehmungslust konnte ich weder in Brissie – wie Brisbane liebevoll genannt wird – stillen noch mit den vielen Surf- und Strandtrips in der Nähe der Stadt. Deshalb fuhr ich in den zwei Wochen der Septemberferien mit einer großen Gruppe Jugendlicher in das australische Outback. Diese Reise werde ich immer als eine der schönsten und interessantesten in Erinnerung behalten. Die Unendlichkeit und die Magie dieser leeren und doch so reichen Natur zu erleben, ist ein unbeschreibliches Gefühl.

Ein Schüleraustausch besteht nicht nur aus Spaß

Natürlich besteht ein Schüleraustausch nicht nur aus Spaß, denn man wird auch das eine oder andere Mal auf die Probe gestellt. Nicht alles klappt sofort, und es gibt wie immer im Leben auch schwierige Situationen, die man selbst meistern muss. Als ich nach zwei Monaten fand, dass die Atmosphäre bei meiner ersten Gastfamilie nicht dem entsprach, was ich mir vorgestellt hatte, und dass ich mich dort einfach nicht wohlfühlte, habe ich mich für einen Gastfamilienwechsel eingesetzt. Eine Zeit lang hatte ich – wie davor auch schon oft in schwierigen Situationen – versucht, durchzuhalten und die Dinge positiv zu sehen. Wenn ich jetzt an die Unsicherheit zurückdenke, die ich in diesen Tagen fühlte, bin ich sehr froh über den Wechsel, denn die zweite Gastfamilie war das Beste, was ich mir hätte wünschen können. Dieser Wechsel erlaubte mir nun, meine Zeit in Australien wirklich vollkommen zu genießen. Die wunderschönen Momente, die ich mit den Kleinkindern der Kinder meiner Gasteltern und mit ihnen selbst verbracht habe, lassen mich heute sagen, dass ich wirklich eine zweite Familie in Australien habe, die immer mit offenen Armen auf mich wartet.

Mit Tränen in den Augen ging es zurück

Als ich nun Mitte Januar, nach einer langen Reise mit meinen Eltern durch ganz Australien und Neuseeland, mehreren Abschiedspartys, dramatischen Verabschiedungen, mit Abschiedsgeschenken überhäuft und mit Tränen in den Augen zum letzen Mal über Brissie flog, wollte ich gar nicht mehr weg. Und nun, seit ich wieder zu Hause bin, vermisse ich nicht nur die sonnigen Strände, die Multiethnicity und alle Aussies, die ich lieb gewonnen habe, sondern besonders diese offene und positive Mentalität der Menschen. Sie brachte mich dazu, die kleinen vertraulichen Momente, wie den alltäglichen Nachmittags-Quatsch-Kaffee, mit meiner Hostmum so sehr zu schätzen.

Es kann nur eine positive Erfahrung werden!

Jetzt über diese sechs Monate zu schreiben fällt mir schwer, ich kann einfach nicht die Worte finden, um die vielen Emotionen darzustellen. Ich kann nur jedem raten, sich selbst auf den Weg ins Unbekannte zu machen. Es kann nur eine positive Erfahrung werden!

Anja aus Rom war für ein Schulhalbjahr als Austauschschülerin mit ICX in Brisbane.