Fiestas, Meer und fröhliche Menschen

Als ich auf dem Flughafen meine Eltern zum Abschied in die Arme schloss, war ich noch furchtbar aufgeregt. Sehr gespannt, was mich erwarten würde, ging ich an Bord. Doch als ich am nächsten Morgen aus dem Flugzeugfenster das beeindruckende Anden-Panorama sah, hatte sich meine Aufregung schon fast vollständig gelegt.

Das Einführungsseminar in Quito war sehr informativ und verging rasend schnell. Von dort ging es auch schon bald mit dem Anschlussflug weiter nach Manta zu meiner Gastfamilie. Meine „neuen Eltern“ und zwei meiner Gastschwestern holten mich vom Flughafen ab. Ich fühlte mich sofort sehr wohl. Alles lief von Anfang an besser, als ich es je gedacht hätte. Trotz anfänglicher Sprachprobleme machte es mir gleich sehr viel Spaß, mit meiner Gastfamilie zu reden.

Meine Gastfamilie möchte mir möglichst viel zeigen

Meine drei Schwestern sind mir in den drei Monaten, die ich jetzt hier bin, schon sehr ans Herz gewachsen. Besonders mit der 16-jährigen Maria verstehe ich mich sehr gut, sie nimmt mich auf alle Fiestas mit. Meine kleine Schwester Antonella (3) hat mich auch schon gut angenommen und guckt gerne mit mir zusammen Barbiefilme. Die kann ich nämlich verstehen. Meine Gasteltern nehmen mich auch so oft es geht mit in andere Städte oder an den Strand, damit ich möglichst viel vom Land sehe.

Die Landschaft ist wunderschön, auch wenn hier in der Umgebung die meisten Pflanzen vertrocknet sind, weil jetzt keine Regenzeit ist. Aber es gibt viele Palmen und es ist toll, in der Schulpause darunter zu liegen. Besonders gerne mag ich die Strände, an denen es wunderschön ist: blaues Wasser und weißer Sand. Immer wieder denke ich daran, was ich doch für ein Glück habe, Anfang Dezember noch im Meer baden zu können.

Es wird überall viel (und laut) gequatscht

Die Schule ist völlig anders als in Deutschland. Die Lehrer werden eher als Kumpels statt als Respektpersonen wahrgenommen. Überhaupt lässt sich der Unterricht mit unserem kaum vergleichen. Es kommt z.B. relativ oft vor, dass der Lehrer einfach nicht da ist. Oder wir quatschen mit ihm nur oder diskutieren die ganze Stunde darüber, ob es sich denn tatsächlich lohnt, Übungen zu machen. Außerdem sind die Unterrichtsstunden kürzer als in Deutschland, die Pausen dafür länger. Alles in allem ist der Schulalltag sehr entspannend.

Die Menschen hier sind alle sehr lieb und viel aufgeschlossener als die Deutschen. Ich werde oft auf Partys eingeladen. Auch wenn ich beim Tanzen nicht mithalten kann, ist es immer sehr lustig. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Lautstärke, alle schreien sich permanent auf kürzeste Entfernung an.

Andere Städte als in Deutschland

Die Stadt in der ich lebe, Portoviejo, ist verhältnismäßig klein. Deshalb kann man hier nicht so wahnsinnig viel machen. Aber am Wochenende gehe ich wie gesagt oft auf Partys oder mit Freunden shoppen oder ins Kino. Nach der Schule habe ich dreimal die Woche Gitarrenunterricht. Die beiden größten Städte des Landes, Quito und Guayaquil, habe ich auch schon besucht. Die Städte sehen völlig anders aus als in Deutschland. Viele Häuser stehen halbfertig in der Gegend herum, weil den Leuten das Geld ausgegangen ist.

Jedenfalls fühle ich mich superwohl, Heimweh habe ich nur selten. Die freundlichen, fröhlichen Ecuadorianer machen es mir sehr leicht, Deutschland zu vergessen!

Sarah aus Leegebruch war für ein Schuljahr mit ICX als Austauschschülerin in Portoviejo, Ecuador.