Ecuador – Tierra de mis Sueños

Nach knapp elf Monaten in diesem kleinen und gleichzeitig so vielfältigen, am Äquator liegenden Andenstaat ist es für mich heute das Land, in dem meine Träume wahr wurden. Schließlich saß ich zusammen mit sechs anderen Austauschschülerinnen im Flugzeug auf dem Weg zum "Mittelpunkt der Erde".

Dabei hatte ich überhaupt keine Vorstellung davon, was mich erwartete. Nach einer kleinen Flugzeugpanne in Guayaquil kamen wir – zwar mit einem Tag Verspätung, aber dennoch wohlbehalten – in Ecuador, genauer gesagt in der Hauptstadt Quito, an.

Meine Gastfamilie und andere Verwandte

Von meiner Gastfamilie wurde ich ausgesprochen herzlich empfangen und von Anfang an wie ein richtiges Familienmitglied behandelt. Das war auch der Grund, warum ich mich dort auf Anhieb wohlfühlte. Es gab während des ganzen Jahres nie größere Probleme.

Meine Gastfamilie wohnte in einem Tal in der Nähe von Quito. Sie bestand aus Papi Freddy, Mami Anita, meinen Gastschwestern Gaby (12) und Mishell (8) sowie den Großeltern, die ebenfalls mit im Haus wohnten. Bei den üblichen Familientreffen an Wochenenden oder zu besonderen Anlässen hatte ich schon bald die Möglichkeit, nach und nach den Rest der Familie kennenzulernen. Und dieser "Rest" war wirklich beeindruckend. Noch nie hatte ich eine so große Familiengemeinschaft erlebt. Bei all den Onkels, Tanten, Cousins und Cousinen, die mir vorgestellt wurden, fiel es mir anfangs doch schwer, den Überblick zu behalten. Ich fühlte mich aber sehr schnell dazugehörig, daher dauerte es auch gar nicht lange, mich einzuleben. Die Ecuadorianer sind einfach ein sehr familienorientiertes, herzliches und liebenswertes Volk. Dadurch war das Kontakteknüpfen natürlich viel einfacher als gedacht.

Herzlichkeit auch in der Schule

Auch in der Schule herrschte diese Mentalität. Zusammen mit meinen Gasteltern wählte ich eine katholische Privatschule, auf die auch meine Gastschwester Gaby ging: das Colegio La Salle. Auf diese Schule gingen zusammen mit der angeschlossenen Grundschule circa 2.000 Schülerinnen und Schüler. Am meisten freute mich, dass meine Mitschüler mir gegenüber sehr aufgeschlossen und interessiert waren, sodass ich schnell Anschluss und bald auch sehr gute Freunde fand.

Das Schulleben war für mich anfangs eine große Umstellung. Angefangen beim Tragen der Schuluniform über das Aufstellen auf dem Sportplatz bis hin zum Singen der Nationalhymne – vieles war dabei, was ich von zu Hause nicht kannte. Auch die strenge Disziplin und das Beten in der Schule war etwas ganz Neues für mich. Ich brauchte einige Zeit, um es verstehen und akzeptieren zu können. Die spanische Sprache hingegen bereitete mir – nachdem ich sie ein Jahr lang als Unterrichtsfach in Deutschland gehabt hatte – keine großen Schwierigkeiten.

Während des ganzen Jahres hatte meine Schule eine breite Palette an Aktivitäten und Veranstaltungen zu bieten. So machte ich mit meinem Curso, dem Sexto General, beispielsweise mehrere Klassenfahrten und trat auch dem Schwimmteam der Schule bei.

Womit ich mich schon vor meiner Reise befasst hatte, waren die starken sozialen Unterschiede in Ecuador. Diese wurden mir vor Ort auch schnell deutlich, als ich auf der einen Seite die verarmten Indigenas mit ihren Kindern in den Straßen betteln sah und auf der anderen Seite beim Besuch von wohlhabenden Bekannten der Familie mit Leuten konfrontiert wurde, denen es an nichts zu fehlen schien.

In Ecuador gibt es unglaublich viel zu sehen

Meine Gastfamilie hat von Anfang an sehr viel mit mir unternommen, um mir möglichst viel von ihrem Land zu zeigen. So fuhren wir gemeinsam an den Strand zum Paragliden, zum Wildwasserraften oder machten eine Wanderung zu einem riesigen Wasserfall. Auch besuchten wir den Indianermarkt in Otavalo und die Gegend um Ibarra, wo der Anteil der Indígena-Bevölkerung besonders hoch ist. An Weihnachten fuhren wir schließlich in ein kleines, abgeschiedenes Dorf in der Sierra, um die dort in sehr ärmlichen Verhältnissen lebenden Menschen mit Lebensmitteln, Kleidung und Spielsachen zu versorgen. 

Bei Feierlichkeiten wie Hochzeiten und Geburtstagen, aber auch bei den im November stattfindenden Fiestas de Quito kamen die Freude der Ecuadorianer am Tanzen und Feiern besonders deutlich zum Ausdruck.

Da meine Gasteltern von Beruf beide Polizisten waren, bekam ich auch einen Einblick in die Polizeischule, die in meinen Augen mehr dem Militär glich.

Mein persönliches Highlight: ein Dschungeltrip

Das absolute Highlight für unsere Austauschgruppe war jedoch der von uns eigens organisierte Dschungeltrip in den Oriente. Eine einzigartige und atemberaubend schöne Erfahrung, die für uns alle unvergesslich bleibt. Ich war überwältigt von der Natur- und Landschaftsvielfalt, wobei für mich jede der vier Regionen (Costa, Sierra, Oriente und Galápagos) ihren eigenen Reiz hatte.

Rückblickend war mein Auslandsjahr in Ecuador eine gewinnbringende und einzigartige Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte. In elf Monaten habe ich nicht nur vieles über mich selbst gelernt, sondern auch eine zweite Heimat gefunden. Ein Ort, an dem mir Menschen begegneten, die ich innerhalb eines Jahres so sehr ins Herz geschlossen habe, dass der Trennungsschmerz schier unerträglich schien. Doch eines Tages, davon bin ich überzeugt, werde ich zurückkehren. A mi querido Ecuador.

Corina war für ein Schuljahr als Austauschschülerin mit ICX in Conocoto, Ecuador.