Zu Hause am anderen Ende der Welt

Aus dem kältesten Winter der letzten Jahre in Deutschland ging es für mich am 21. Januar 2010 auf einen mir noch unbekannten Kontinent ans andere Ende der Welt: mitten in den Hochsommer Australiens. Der herzliche Empfang meiner Gastfamilie in Brisbane und die Anstrengungen durch den 22-stündigen Flug ließen mich den tränenreichen Abschied in Berlin schnell vergessen.

Ausflug in Australien

Bei meiner Gastfamilie, den Redmans wurde ich von Anfang an sehr offen und freundlich aufgenommen, sodass es mir unheimlich leicht fiel, mich sofort zu Hause zu fühlen. Meine Gastmutter Elizabeth, die nebenbei bemerkt eine hervorragende Köchin ist, war eine wirklich fürsorgliche und sehr nette „Ersatzmutter“ über meine gesamte Zeit weit weg von zu Hause. Was ich nie vergessen werde, sind unsere alltäglichen gemeinsamen Afternoon Teas, nachdem ich von der Schule heimkam, die damit zusammenhängenden Gespräche und sämtliche Shoppingtouren in Brisbane. All das fehlt mir bereits jetzt.

An der Schule herzlich aufgenommen

Diese so offene und hilfsbereite Mentalität ist besonders typisch für die „Aussies“, sodass ich an meinem ersten Schultag am Citipointe Christian College, der gleich zwei Tage nach meiner Ankunft anstand und dem ich mit einem erst etwas mulmigen Gefühl im Bauch begegnete, unglaublich herzlich von meinen neuen Mitschülern empfangen und mit neuen Namen nur so bombardiert wurde, die ich am Abend bereits alle wieder vergessen hatte. Die Schuluniform, der ich zugegebenermaßen zu Beginn etwas skeptisch gegenüberstand, erwies sich doch als hilfreich, da ich optisch sofort dazu gehörte. Besonders die bauarbeiterähnlichen Schuhe und der Hut, der als Sonnenschutz in den Mittagspausen getragen werden musste, waren am Anfang doch sehr gewöhnungsbedürftig.

High School Australien

Das Lehrer-Schüler-Verhältnis, wie es an australischen Schulen üblich ist, empfand ich als besonders angenehm, da es so anders war, als ich es von meiner deutschen Schule gewohnt war. Am Anfang kam es mir fast ein wenig merkwürdig vor, wie freundschaftlich sich Schüler und Lehrer nach den Sommerferien zu Beginn des neuen Schuljahres begrüßten. Ich merkte bald, wie viel angenehmer diese lockere Umgangsform den Unterricht und den gesamten Schulalltag machten. Auch für mich als Austauschschülerin machte die hilfsbereite und herzliche Art von Lehrern sowie Schülern meinen Start auf dem riesigen und anfangs sehr verwirrenden Campus der Schule um einiges leichter.

Von der Gold Coast bis zum Regenwald

Besonders charakteristisch sind auch die vielen Wochenend- und Tagesausflüge der Australier, die ich immer ganz besonders genießen konnte. Fast jedes Wochenende, wenn ich nicht mit Hausaufgaben oder Ähnlichem beschäftigt war, fuhren meine Gasteltern mit mir in die Umgebung rund um Brisbane, sei es an die Gold Coast oder in den Regenwald. Sie zeigten mir immer neue Orte, wo mich die Schönheit und Vielfalt der Natur Australiens immer wieder aufs Neue beeindruckte. Nicht selten machten wir uns auch mit mehr als nur einem Auto auf, denn meine Gastfamilie war das beste Beispiel dafür, wie familienorientiert die Australier sind. Ganz anders, als ich es von zu Hause gewohnt war, fanden riesige Familienfeste mit bis zu 70 Personen fast regelmäßig statt, ob zum 80. Geburtstag meiner Gastgroßmutter oder zum 21. Geburtstag meiner Gastcousine.

Besonders viel Spaß hatte ich mit den Enkelkindern meiner Gasteltern, die oft zu Besuch waren und immer eine Menge Leben mit ins Haus brachten. Ob an Tagesausflügen oder beim Babysitten, insgesamt verbrachte ich wirklich eine Menge Zeit mit den drei Mädchen im Alter von eins bis sechs Jahren und wir hatten immer unheimlich viel Spaß zusammen.

Roadtrip nach Sydeny

In den zweiwöchigen Osterferien hatten meine Gasteltern etwas ganz Besonderes mit mir geplant: Sie wollten mit mir einen Roadtrip nach Sydney machen! Seitdem ich wusste, ich würde ein halbes Jahr in Australien verbringen, war es ein großer Wunsch von mir, die Stadt des weltberühmten Opera House und der Harbour Bridge zu besuchen. Dafür, dass meine Gasteltern mir diesen Wunsch erfüllten, bin ich ihnen unheimlich dankbar. Die Tage, die wir in Sydney verbrachten, gehören auf alle Fälle zu den absoluten Highlights meine Aufenthaltes.

High School Year Australien

Zwischen Wochenendausflügen an die Gold Coast, Tagestrips mit dem Boot nach Moreton und Stradbroke Island, Geburtstagspartys von Freunden und schulischen Aktivitäten wie Orientierungsläufen im australischen Busch und Fußballspielen flogen die Wochen nur so dahin, sodass schon bald das Ende meiner wunderschönen und aufregenden Zeit am anderen Ende der Welt erreicht war.

Mit vielen Erinnerungen und Erfahrungen im Gepäck zurück nach Deutschland

Nach mühseligem Kofferpacken, einer Überraschungsparty mit all meinen Freunden, furchtbar traurigen und tränenreichen Abschieden von Freunden in der Schule und von meiner Gastfamilie, stieg ich mit einem Koffer, der um einiges schwerer war, als bei meiner Ankunft und unglaublich vielen Erinnerungen und neuen Erfahrungen im Gepäck ins Flugzeug. Als ich mit Tränen in den Augen ein letztes Mal auf Brisbane und die endlos langen, weißen Strände hinunter blickte, wusste ich, dass dies kein Abschied für immer war, denn in den letzten fünf Monaten hatte ich eine zweite Familie und viele neue Freunde gefunden, die mich immer mit offenen Armen empfangen würden.

Insgesamt waren es die vielen Australier, meine neuen Freunde sowie auch meine Gastfamilie, die ich über fünf Monate so unheimlich lieb gewonnen habe und die meine Zeit auf dem kleinsten Kontinent der Erde so unvergesslich werden ließen.

"Don’t cry because it’s over, smile because it happened!"

So ein Auslandsaufenthalt kann meiner Meinung nach nur hilfreich sein und einen im Leben weiterbringen. In meinen Augen ist Australien natürlich der allerbeste Ort dafür. Im Nachhinein fällt es mir schwer, all meine Erfahrungen und die damit zusammenhängenden Emotionen in Worte zusammenzufassen, denn es waren viele Kleinigkeiten, die meine Zeit in Australien für mich so unvergesslich gemacht haben. Besonders die lockere und positive Lebensart der Australier fehlt mir nun, da ich zurück in Deutschland bin. Doch wie eine Schulfreundin von mir so schön sagte: „Svenja, don’t cry because it’s over, smile because it happened!“

Svenja Siercks aus Kleinmachnow war im 2. Schulhalbjahr 2009/10 mit ICX als Austauschschülerin in Brisbane, Australien.