There’s nothing like being a yooper, eh?

Grand Marais ist der Ort, an dem ich die beste Zeit meines Lebens verbracht habe. Er liegt in der U.P. (Upper Peninsula) von Michigan, USA, direkt am Lake Superior.

Seit dem ersten Tag in dem kleinen Dorf habe ich mich wie zu Hause gefühlt. Da Grand Marais nur 300 Einwohner hat, war meine Schule mit insgesamt 27 Schülern (vom Kindergarten bis zur 12. Klasse) dementsprechend klein. Es wurde nur ein Schulbus für alle Schüler benötigt – manchmal reichte sogar ein SUV!

Von Anfang an war ich ein richtiges Familienmitglied

Das Haus meiner Gastfamilie, Familie Davis, befindet sich inmitten von dichtem Wald, durch den kleine Schotterstraßen führen. Ich hatte drei Gastschwestern von denen zwei schon ausgezogen waren. Eine der beiden hatte sogar schon ein Kind. Meine dritte Gastschwester, Caylie, war nur ein bisschen jünger als ich. Außerdem hatten wir zeitweise vier Hunde, mit denen ich viel unternommen habe. Meine Gastfamilie hat mich seit Tag 1 wie ein richtiges Familienmitglied behandelt. Ich habe mich dort vom ersten bis zum letzten Tag unglaublich wohl gefühlt. Wir haben oft zusammen gebacken und sehr viel zusammen gelacht! Obwohl Grand Marais buchstäblich „inmitten des Nichts“ liegt, ist dieses Dorf mit Abstand der schönste Ort, den ich je in meinem Leben gesehen habe. Jeden Morgen, auf dem Weg zur Schule, konnte ich einen wunderschönen Blick auf den Lake Superior genießen.

Nur 27 Schüler an der gesamten Schule

 Meine amerikanische Schule, die Burt Township School, ist eine relativ alte Schule. Das Gebäude wurde 1929 fertiggestellt. Es gibt unglaublich viele interessante Geschichten darüber. An der Schule gab insgesamt vier Middle- und Highschool-Lehrer, eine Grundschullehrerin und eine Kindergärtnerin, dazu noch zwei Direktorinnen, einen Busfahrer und eine Schulköchin. Die Schule hat sowohl eine Sporthalle mit Bühne, als auch ein Fußballfeld. Da die Burt Township School eine sogenannte „Island School“ ist, durften wir zu unseren Basketball- und Fußballspielen manchmal bis zu drei Stunden Bus fahren, gelegentlich aber auch mit Fähre und Flugzeug zu anderen Inseln reisen.

In meiner Klasse waren insgesamt sieben Schüler, jedoch waren davon nur vier (inklusive mir) in meinem Jahrgang. Der Unterricht fand jahrgangsübergreifend statt. Meine Schulfächer für das ganze Schuljahr waren Amerikanische Literatur, Physik, Mathe und Geschichte/Politik. Als Nachmittagsfächer habe ich Drama, Anatomie, Astronomie und PE/Health belegt. Aufgrund der kleinen Anzahl von Schülern hat ein jeder sowohl bei allen Theateraufführungen, als auch allen Sportarten mitgespielt und mitgeholfen.

Winter in Michigan

Ein Schüler einer solch kleinen Schule zu sein kann auch manchmal anstrengend sein, aber hauptsächlich war es entspannt, da Schüler, Lehrer und Direktorinnen, der Busfahrer, die Trainer und die Köchin alle wie eine große Familie waren. Die Atmosphäre in der Schule war total angenehm und ich bin jeden Tag gerne zur Schule gegangen.

Schneereicher Winter und andere Naturwunder

Da Grand Marais weit im Norden und direkt am Lake Superior, dem größten Süßwassersee der Welt, liegt, wird es dort im Winter sehr kalt. Während Austauschschüler in anderen Regionen der USA an der High School Track, Football oder ähnliche Sportarten hatten, packten wir unsere Schlitten und die Snowboards aus und machten aus unserem PE-Unterricht eine Wintersportstunde. Als der Schnee dann schließlich so hoch wurde, dass die Straßen kaum noch befahrbar waren, tummelten sich die Schneemobilfahrer im Ort. Auch für das jährliche Schlittenhunderennen „UP 200“, bei dem alle Menschen im Dorf mitgeholfen haben, war Grand Marais ein Standpunkt.

Die Upper Peninsula (Obere Halbinsel) hat insgesamt viele Naturwunder zu bieten. Durch mein Austauschjahr in diesem Gebiet habe ich herausgefunden, dass eine Auslandserfahrung, die nicht meinen Erwartungen des „typischen Amerika“ entspricht, nicht unbedingt weniger neue und interessante Dinge für mich bereithielt – ganz im Gegenteil. Durch meinen Aufenthalt in Upper Michigan bin ich der Natur noch viel verbundener geworden und es gab immer etwas Neues zu entdecken! Dadurch, dass wir direkt in der Natur gewohnt haben, verbrachten wir auch viel Zeit an der frischen Luft. Im Sommer mit Kayakfahren, im Winter haben wir unseren eigenen riesigen Weihnachtsbaum gefällt und dabei auch mal einen Schwarzbären gesehen! Leider hab ich von dem so schnell kein Foto machen können, deshalb waren wir später noch einmal auf einer Bärenstation, als meine deutschen Eltern mich am Ende des Austauschprogramms in den USA besucht haben. Im Frühling, als es etwas wärmer wurde, bin ich auch mal mit einer Freundin, den Hunden und einer heißen Schokolade in der Hand von der Tankstelle zum Pier gelaufen, um die noch riesigen Eisberge anzugucken.

Beverly Hills

Weitere Highlights für mich

Einige große Highlights für mich waren: Der Besuch bei meinem Gastonkel in Los Angeles über die Spring Break. Wir waren im Disneyland, haben die Sonne am Strand von Torrance genossen und sogar einen Wal gesehen! Einmal die komplett andere Seite des Landes zu sehen, war sehr interessant.

Als nächstes kam ein Kunstausflug mit der Schule nach Detroit, bei dem ich sogar bei einem Baseballspiel der Detroit Tigers zugucken konnte. Außerdem sind wir an Thanksgiving die Verwandtschaft in Indiana besuchen gefahren. So war ich während meines Aufenthaltes in vier verschiedenen Staaten, wenn man das Vorbereitungsseminar in New York mitzählt.

Zurück in Grand Marais habe ich meine letzten Abende mit meinen Freunden mit zahlreichen Lagerfeuern am Strand des Lake Superior verbracht. Eines der Sachen, die ich hier in Deutschland am meisten vermisse!

An jeder Ecke wartet eine Überraschung

Natürlich gab es auch für mich gute und weniger gute Momente, wobei die guten jedoch deutlich überwogen. Ich habe meine Erwartungen niedrig gehalten, und hinter jeder Ecke hat eine Überraschung auf mich gewartet. Dieses Jahr hat mir viel mehr gebracht, als ich es mir je hätte vorstellen können, daher kann ich jedem empfehlen, sich ein Herz zu nehmen und sich in sein ganz eigenes Abenteuer zu stürzen.

Jana aus Hude besuchte eine High School in Grand Marais, Michigan, USA.