The English Way of Life

Als ich mich für einen Austausch in England entschieden habe, dachte ich, dass der Kulturschock nicht allzu groß sein würde. Doch entgegen meinen Erwartungen haben die Engländer eine ganz andere Lebensweise als wir Deutsche.

Gewohnt habe ich in Gosport, einem kleinen Hafenstädtchen im Süden Englands. Es gab keine Kinos, nur ein College und ein paar Charity Shops. Schon bei meiner Ankunft erklärte mir meine Gastmutter Lindsey, dass es in Gosport im Prinzip nur drei große Straßen gibt, die alle zur Fähre führen. Wenn man nach Gosport möchte, muss man nämlich mit der Fähre fahren.

Dann sagte sie noch, dass viele Einwohner von hier einfach nur weg wollen. Ich muss sagen, dass mich das Kleinstadtleben für diese paar Monate gar nicht einmal so sehr gestört hat. Die ersten paar Tage waren noch Ferien, so hatte ich Zeit, die Gegend auszukundschaften und meine Gastfamilie – bestehend aus meiner Gastmutter, meinem Gastgroßvater und meinem Gastonkel – und die anderen drei Austauschschüler in Gosport besser kennenzulernen.

Gerne zur Schule gegangen

Mit dem ersten Schultag begann dann für mich der ganz normale Alltag. Für meine Zeit in Gosport habe ich das St. Vincent College besucht, das vergleichbar mit der 11. und 12. Klasse des Gymnasiums hier ist. Wir wurden allerdings nur in vier verschiedenen Fächern unterrichtet, hatten keine feste Klasse, dafür aber einen Tutor (Betreuungslehrer) für den Fall, dass es irgendwelche Probleme geben sollte.

Für mich war es von Anfang an klar, dass ich Kurse wählen werde, die ich zu Hause nicht habe. Schlussendlich habe ich mich für Film Studies, Media Studies, Photography und Psychology entschieden. Und ich muss sagen, ich bin in diesen vier Monaten richtig gerne in die Schule gegangen. Man hat hier ein eher freundschaftliches Verhältnis zu den Lehrern, die Klassen waren meistens klein, und Hausaufgaben gab es praktisch keine. Dadurch, dass es für alle eine neue Schule war, fiel es jedem anfangs auch leichter, „seine“ Leute für die verschiedenen Kurse zu finden.

Das Schulgelände war verhältnismäßig richtig groß. Es gab einen Kindergarten, einen Costa Coffee, einen Friseur (für die Leute die Hair Design als Fach gewählt haben, und ja, das ist tatsächlich ein Fach!) und einen Meeresarm, der mit der Zeit zum Treffpunkt von meinen Freunden und mir wurde („see you later by the creek“).

Bald viel sicherer beim Sprechen gefühlt

Nach anfänglichen sprachlichen Verwirrungen (mit „tea“ z. B. ist nicht nur der Tee gemeint, sondern das Abendessen, das übrigens schon um 18 Uhr serviert wird) habe ich mich schon bald viel sicherer beim Sprechen gefühlt. Auch hörte ich immer seltener, dass ich einen „cute German accent“ habe (die Engländer können die Schweizer nicht von Deutschen unterscheiden). Überhaupt waren die Engländer ziemlich begeistert von uns Austauschschülern, sodass beschlossen wurde, dass wir in einer anderen Schule einmal im Deutschunterricht mithelfen sollten.

Aktivitäten und Ausflüge

Außerhalb der Schule spielte ich in einem Netballteam, war einmal wöchentlich in einer Charity-Gruppe tätig und habe mich mit meinen Freunden am Strand oder bei schlechtem Wetter in einem Café getroffen. Ein Highlight meines Austauschs waren auf jeden Fall die half-term holidays, in denen ich London und die Isle of Wight besucht habe. Diese vier Monate vergingen wie im Flug, und auch heute noch vermisse ich the English way of life.

Caroline Kirnbauer aus Basel war im Herbsttrimester 2013/14 mit ICX als Austauschschülerin in Gosport, England.