„No worries, mates!“

Australien – dorthin wollte ich schon immer. Am 5. Juli 2007 konnte ich dann – endlich – in mein Austausch-Quartal auf dem fünften Kontinent starten. Nach einem etwa 23-stündigen Flug landete ich zusammen mit anderen ICXlern auf dem Flughafen in Brisbane. Dort wurden wir von unseren "Familien auf Zeit" in Empfang genommen.

Auslandsjahr Australien

Schon gleich bei der Begrüßung verriet mir "meine" Familie, wie sehr sie sich freue, endlich einmal eine Gastschülerin aus real Germany – also Bayern – bei sich zu beherbergen. Während meines Aufenthaltes musste ich zwar nicht ihnen, anderen jedoch des Öfteren versichern, dass die Deutschen nicht nur in Dirndl und Lederhosen herumlaufen und Deutschland aus mehr als dem Oktoberfest, Bier und dem unbegrenzten Tempo auf Autobahnen besteht. Überhaupt hatten manche Australier eine merkwürdige Vorstellung von Deutschland. "Do you have that in Germany?", fragten sie mich und zeigten mit dem Finger auf eine McDonald’s-Filiale.

Ich wurde ein sechstes Familienmitglied

Meine Gastfamilie, bestehend aus der Großmutter Nonna, den Eltern Jeff und Debbie, den Kindern Gemma und Becky und natürlich dem Familienhund Murphy, nahmen mich vom ersten Tag wie ein sechstes Familienmitglied auf. Dadurch haben sie wohl den größten Teil dazu beigetragen, dass ich Australien in so guter Erinnerung behalten habe. Mit der Zeit entwickelte ich mit jedem Familienmitglied eigene kleine "Rituale". So schaute ich z. B. jeden Abend lustige Comicserien mit meinem Gastvater bei icecream and fruit und TimTam’s (die weltbesten Schokoladenkekse).

An den Wochenenden unternahm ich mit meiner Schwester Becky und meiner Gastmutter Debbie Ausflüge zu Noosa Beach, zur Gold Coast und sogar bis zum Byron Bay, dem östlichsten Punkt des australischen Festlandes. Dabei nahmen wir immer wieder auch Freunde von mir mit. Ein Grund mehr, warum es mir dort nie langweilig wurde.

Meine Meinung zur Schuluniform hat sich geändert

In Brisbane besuchte ich die Craigslea State High School. Mir ist vor allem die Schuluniform stark in Erinnerung geblieben. War ich anfangs eher skeptisch, änderte sich meine Meinung darüber jedoch schon bald. Ich fand es sehr entspannend, morgens einfach in einer Art Jogginganzug (danach jedenfalls sah die Schuluniform aus) zur Schule gehen zu können.

Auslandsjahr Australien

Meine Schulfächer: Arts, Dance, Drama und Hospitality

Da an australischen Schulen nur Englisch und Mathe verpflichtend sind, hatte ich im Vergleich zu meiner Schule in Deutschland einen komplett anderen Stundenplan. Ich konnte nämlich alle übrigen Schulfächer frei wählen und entschied mich für Arts, Dance, Drama und Hospitality (Hauswirtschaft). An Letzteres habe ich die schlimmsten, aber auch lustigsten, Erinnerungen. Wegen der wohl nicht gerade beeindruckenden Kochkünste wurden ich und andere Austauschschüler von unserem Lehrer liebevoll als German disasters bezeichnet. Dabei schmeckten unsere Gerichte – wenn auch manchmal ein wenig angebrannt – doch meistens ganz passabel.

Kurztrip nach Sydney

Neben meiner wirklich tollen Familie zähle ich aber auch die organisierten Ausflüge zu den absoluten Highlights. Circa zwei Wochen nach meiner Ankunft machte ich z. B. zusammen mit vier Italienern einen Kurztrip nach Sydney (der heimlichen Hauptstadt Australiens). Dort besichtigten wir u. a. natürlich das Sydney Opera House sowie obligatorisch das "Hard Rock Café" und den legendären Surferstrand Bondi Beach

Auslandsjahr Australien

Eine Woche am Great Barrier Reef

Schon bald darauf ging es für eine Woche zum Great Barrier Reef, dem weltgrößten natürlich entstandenen Korallenriff. Während eines Abstechers zum wunderschönen Fraser Island, das ausschließlich aus Sand besteht, konnte ich einen richtigen Regenwald kennen lernen. Außerdem bekam ich bei einer Whale Watching Tour die Gelegenheit, meterlange, riesige Humpbackwale aus nächster Nähe zu bestaunen. Zum Schluss besuchten wir noch eine kleine Insel, wo wir durch ein Korallenriff schnorchelten. Das war das Beeindruckendste, was ich bisher erlebt habe!

Kurz vor meiner Heimreise nahm ich noch an einer Tour nach Western Australia teil, zum anderen Ende des Kontinents. Dieser Trip führte von Broome nach Darwin, für mich der längste und weiteste Ausflug: 3.500 km an fünf Tagen. Meine aufregendste Exkursion war ein Camping-Ausflug mit unserem Bus. Gelegentliche (auch nächtliche) Reifenpannen und das zeitweilige totale Versagen der Klimaanlage (bei 45 Grad im Schatten) hat diese Reise so unvergesslich gemacht. Aber auch sonst wurde uns bei diesem Ausflug allerhand geboten: angefangen bei gigantischen Naturerscheinungen wie den Bungle Bungles über wunderschöne versteckte Seen mit glasklarem Wasser bis hin zu riesigen Krokodilen in freier Wildbahn. Nie vergessen werde ich auch das Gefühl, wie es ist, unter dem australischen Sternenhimmel zu schlafen oder in einem maroden Bus bei ohrenbetäubender Rockmusik durchs Outback zu fahren.

In Australien vergeht die Zeit wie im Fluge

Ich kann jedem nur raten, seinen Auslandsaufenthalt in Australien zu verbringen. Allerdings empfehle ich, länger als drei Monate dort zu bleiben, denn in so einem super Land vergeht die Zeit einfach wie im Fluge!

Was mich besonders beeindruckt hat in dieser Zeit war die offene und freundliche Art der Menschen. Sie scheinen viel lockerer durchs Leben zu gehen und nicht alles so ernst zu nehmen wie die Menschen in Deutschland. In diesem Sinne: "No worries, mates!"

Sabine Eibl aus Pfeifferhütte, Austauschschülerin in Brisbane, Queensland, im 3. Schulquartal 2007/2008