La France, je t’aime

Anfang Januar 2009 erreichte mich eine erste E-Mail von meiner zukünftigen Gastfamilie. Sie schrieb mir, dass sie in Fitz-James lebt, einem kleinen Dorf etwa 70 km nördlich von Paris. Ich freute mich riesig, bald in der Nähe von Paris zu wohnen.

 

Meine Gastschwester war 24 Jahre alt und lebte, wie ihr 21-jähriger Bruder, nicht mehr bei ihren Eltern. Als "Einzelkind" zu leben war für mich eine vollkommen neue Erfahrung, da ich in Deutschland mit drei Brüdern aufgewachsen bin. Zum Haushalt gehörte außerdem noch eine Katze.

Schule in Frankreich – ein ganz neues Erlebnis

Meine Gastschule war in Compiègne. Das ist eine Stadt mit 30.000 Einwohnern, die relativ weit entfernt von meinem neuen Zuhause liegt. Entsprechend dauerte mein Schulweg hin und zurück jeden Tag insgesamt ca. zwei Stunden. Am ersten Tag begleitete mich meine Gastmutter auf diesem Weg. Als die erste Stunde begann, stellte mich die Direktorin der ganzen Klasse vor. Leider reichten meine Sprachkenntnisse zu diesem Zeitpunkt noch nicht aus, um viel zu verstehen. Auch hatte ich große Schwierigkeiten, dem Unterricht zu folgen. Zum Glück sind die Franzosen sehr hilfsbereit, sie waren wirklich sehr geduldig mit mir. Wenn ich etwas nicht verstanden hatte, wiederholten und erklärten sie es. So fand ich schnell Anschluss an meine neuen Mitschüler und auch bald tolle Freunde.

Der lange Tag in der Schule (französische Schulen sind Ganztagsschulen) – kombiniert mit meinem langen Schulweg – machten es mir nicht möglich, nach der Schule noch sportlichen oder musikalischen Freizeitaktivitäten in einem Verein nachzugehen. Dafür ging ich am Wochenende mit meiner Gastfamilie manchmal schwimmen oder joggen. Da Paris nicht weit von meinem neuen Zuhause entfernt war, fuhr ich sogar einmal mit der Schule dorthin. Auch meine Gasteltern fuhren zweimal mit mir nach Paris. Diese Stadt ist einfach super!

Pizzaessen und Ausflüge mit der Schulklasse

Toll fand ich auch die Abendessen, die wir mit der Klasse organisiert haben. Nach der Schule haben wir uns ab und zu zum Pizzaessen getroffen, was für mich natürlich eine gute Möglichkeit war, die anderen außerhalb des Unterrichts näher kennenzulernen. Da ich so weit weg wohnte, boten mir einige Freundinnen an, an solchen Abenden bei ihnen zu übernachten. Wir hatten immer viel Spaß. Außerdem sind wir mit unserer Stufe für einen Tag nach Brüssel gefahren. Ich fand es super, dass wir so viel mit der Klasse unternommen haben (Theater, Ausflüge usw.). Außerdem hatte ich die Gelegenheit, zusammen mit meiner Gastschwester und verschiedenen Freunden die Stadt Lille zu entdecken. Auch hier gefiel es mir sehr gut und ich kaufte viele Souvenirs.

Weihnachten und Silvester auf Französisch

Weihnachten verbrachte ich im Kreise meiner Gastfamilie. Dort erlebte ich ein echt französisches Weihnachtsfest. Zum ersten Mal besuchte ich keinen Weihnachtsgottesdienst (was allerdings nicht typisch französisch ist, sondern einfach an meiner Gastfamilie lag). Das Abendessen dauerte noch länger als gewöhnlich, es gab hauptsächlich Fischgerichte, und ich konnte einige neue Delikatessen probieren. Die Geschenke wurden erst um Mitternacht verteilt.

Für Silvester organisierte meine Gastschwester eine Party und lud dafür auch viele meiner Freunde ein. Silvester gibt es in Frankreich keine Knaller, dafür haben wir uns alle verkleidet und (natürlich) wird viel länger als in Deutschland gegessen. An diesem Silvesterabend haben wir getanzt, Wii gespielt und hatten alle sehr viel Spaß miteinander!

Schon nach wenigen Wochen war Frankreich mein neues Zuhause

Beeindruckend fand ich das Familienleben: Wenn möglich, haben wir mit der ganzen Familie zu Abend gegessen. Danach saßen wir immer noch im Wohnzimmer, haben ferngesehen oder uns über unseren Tag unterhalten. Das französische Essen hat mir sehr gut gefallen, und ich habe meine Liebe zum Käse entdeckt.

Am Anfang war alles natürlich neu und zum Teil auch schwierig. Ich war in einem fremden Land, beherrschte die Sprache nicht richtig und kannte zunächst niemanden. Doch nach nur wenigen Wochen fühlte ich mich schon richtig zu Hause und hatte nette Freunde gefunden. Das Sprechen auf Französisch viel mir immer leichter und es dauerte gar nicht lange, bis ich alles verstehen konnte. Durch meinen Aufenthalt habe ich auch gelernt, besser mit unbekannten Situationen umzugehen. Insgesamt hatte ich eine schöne Zeit, die ich nie vergessen werde. Für mich ist Frankreich fast zu einer zweiten Heimat geworden.

Ich kann so einen Aufenthalt nur jedem empfehlen, weil es eine einzigartige Erfahrung ist. Ich bin viel selbstständiger geworden, habe gelernt, mich einer neuen Umgebung anzupassen und das Beste aus schwierigen Situationen zu machen. In den nächsten Ferien fahre ich wieder nach Frankreich!

Malanie Wahlers aus Dorsten war im 1. Schulhalbjahr 2009/10 mit ICX als Austauschschülerin in Fitz-James, Frankreich.