Irland ist einfach faszinierend!

Das Land, für das ich mich entschieden hatte, war Irland. Auf Fotos und im Internet hatte ich die traumhafte Landschaft gesehen, sodass ich sie unbedingt einmal selbst erleben wollte. Wie viel mehr dieses kleine Land – dessen Einwohnerzahl von Deutschland mehr als 17fach übertroffen wird – aber zu bieten hat, das sollte ich erst dort erfahren.

An der irischen Mädchenschule ist die Atmosphäre sehr familiär - ideal, um sich als Austauschschüler schnell zu intergrieren.

Meine Gastfamilie wohnte in Cork, im Süden Irlands. Anfangs waren wir dort zu fünft: Neben meiner Gastmutter und meinen drei Gastgeschwistern (von denen eine Schwester leider später selbst ins Ausland ging), gab es noch Maria, eine spanische Austauschschülerin, mit der ich das Zimmer teilte. Maria und ich besuchten die gleiche Schule. Zwar waren wir in getrennten Klassen, aber die Hin- und Rückwege waren dadurch nie langweilig.

Familiäre Atmosphäre mit nur knapp über 200 Mädchen an einer Schule

Meine Schule war eine reine Mädchenschule mit nur etwas mehr als 200 Schülerinnen und nur einem Lehrer für jedes Fach. So kannte ich schnell alle Lehrer und auch die Mädchen in meinem Jahrgang. Nachdem ich meine erste Scheu überwunden hatte, die Iren anzusprechen, waren die Sprachprobleme, vor denen ich so sehr Angst gehabt hatte, verschwunden. Zwar war der irische Akzent am Anfang nicht immer leicht zu verstehen, aber nach kurzer Eingewöhnungszeit hatte ich ihn mir sogar selbst angewöhnt. Auch im Unterricht hatte ich von Anfang an keine Probleme mit der Sprache. Die Stunden waren generell lockerer als in Deutschland und der Stoff war gut zu verstehen.

Ein Highlight des Irlandaustausches - auf der Parade mit dabei sein zu dürfen!

Ein Highlight – als Tänzerin auf dem St. Patricks’s Day

Einmal in der Woche besuchte ich nach der Schule Irish-Dancing-Stunden. Dort lernten wir den für Irland typischen Volkstanz. Ich stellte fest: Was so leicht aussah, war das Resultat jahrelanger harter Arbeit. Außerdem unterscheidet sich diese Art von Tanz sehr von allem, was ich bis dahin ausprobiert hatte. Nachdem ich einige Wochen mitgemacht hatten, fragte unsere Lehrerin uns sogar, ob wir mit ihrer Gruppe am St. Patrick’s Day in der Parade in Cork mittanzen würden. Natürlich sagten wir zu.

Der St. Patrick’s Day war für mich ein echtes Highlight. Alle Menschen in der Stadt waren grün gekleidet. Sie warteten am Straßenrand auf die Parade, in der auch WIR mitlaufen sollten. Beim Anblick der Massen wollte ich zuerst davonlaufen, aber als wir dann (so gut wir es eben konnten) tanzend durch Cork liefen und die fröhlichen Gesichter mit den grünen Hüten am Straßenrand sahen, war ich begeistert.

Als Austauschschüler kann man in Irland sehr gut reisen - die Entfernungen sind gering und die Iren sind Fremden gegenüber ausgesprochen hilfsbereit.

In den Ferien habe ich weitere Gegenden Irlands erkundet

Ich mochte zwar die Schulzeit, aber das Beste am Austausch waren für mich trotzdem die Ferien. Während der Mid-term Break bin ich nämlich mit anderen Austauschschülern nach Dublin, Galway, Dingle und Killarney gefahren.

In Dublin haben wir Bekanntschaft mit der Offenheit und Freundlichkeit der Iren gemacht: Weil wir erst spät nachmittags losfahren konnten, kamen wir in der Hauptstadt an, als es schon dunkel war. Wir standen am Busbahnhof und niemand wusste so richtig, wo wir waren, sodass wir mit der Adresse und der Karte, die wir hatten, nicht viel anfangen konnten.

Als wir so verzweifelt um die Karte herumstanden und diskutierten, tippte ein Mann mir auf die Schulter und fragte, wo wir denn hin wollten. Wir nannten ihm die Adresse des Hostels. Daraufhin gestikulierte er in verschiedene Richtungen, nannte Straßennamen und entschuldigte sich sogar, dass er uns nicht führen könne, weil er in Eile sei. So hatten wir endlich eine Richtung und fanden das Hostel auch wenig später.

Sind auf jeden Fall einen Ausflug wert - die wunderschönen Cliffs of Moher.

Die Cliffs of Moher sind einfach überwältigend

Wir besuchten das Trinity College in Dublin, radelten durch den Killarney National Park, besichtigten die Guinness-Brauerei und vieles mehr. Was mich am meisten beeindruckt hat, war aber nicht Dublin, sondern die Cliffs of Moher. Während der Fahrt bekam ich ein immer mulmigeres Gefühl, da ich riesige Höhenangst habe.

Als wir schließlich ausstiegen, wurde es auch nicht besser. Der Wind war an diesem Tag besonders stark und auf den Fotos sind wir hauptsächlich mit wehenden Haaren zu sehen. An den Cliffs selbst war dann aber jede Angst vergessen. Der Ausblick über das Meer und die Sicht an der ganzen Steilküste entlang waren so überwältigend, dass ich zum Angsthaben gar keine Gelegenheit mehr hatte.

Viel zu schnell war die Zeit vorbei und wir mussten zurückfahren. Mit zerzausten Haaren und unglaublich begeistert kam ich heim zu meiner Gastfamilie, die sofort alles über den Ausflug wissen wollte.

In Irland ticken die Uhren anders - hier lernt man ein ganz anderes Lebensgefühl kennen.

Typisch irisch: Alles mit Humor nehmen

Weil meine Gastmutter berufstätig war, kam sie meistens erst recht spät nach Hause, aber beim Essen oder (viel häufiger) beim Tee saß ich mit ihr und meistens auch Maria zusammen und wir redeten über Spanien, Deutschland, Irland, unsere Ausflüge oder die Schule. Manchmal sahen wir auch einfach zusammen Fernsehen. Dabei lernte ich besonders die irische Entspanntheit kennen.

Auch wenn als Resultat dieser „Gelassenheit“ die Busse nicht immer pünktlich kamen oder ein Treffen einmal nicht zur geplanten Zeit starten konnte, bewundere ich diese Mentalität sehr, in der es keine Hektik und keinen Stress gibt und in der alles mit Humor genommen wird.

Die Zeit in Irland hat mich nicht nur selbstständiger gemacht, sondern auch viel offener für andere Menschen und Kulturen. Natürlich hat sich auch mein Englisch verbessert, aber das war für mich nicht das Wichtigste. Meine Erinnerungen und Erfahrungen aus dieser Zeit werden mich immer begleiten.

Anke aus Nieheim war für zwei Trimester als Austauschschülerin mit ICX in Cork, Irland.