Im Land des Baguettes …

Am 2. September 2013 konnte ich endlich mein lang ersehntes Auslandsabenteuer antreten. Nach Nordfrankreich in die Picardie ging es. Dort habe ich dann vier Monate in Amiens gelebt, einer Stadt mit 140.000 Einwohnern. Das war für mich eine ganz schön große Umstellung, schließlich komme ich aus einem 900-Seelen-Dorf!

Zusammen mit meinen zwei Gastgeschwistern und meinen lieben Gasteltern wohnte ich in einem Reihenhaus, nur fünf Minuten vom Stadtzentrum entfernt.

Zu meiner neuen Schule, St. Riquier, fuhr ich anfangs mit dem Fahrrad und im Winter mit dem Bus – oder ich ging zu Fuß. Ich war guten Mutes, neue Freunde zu finden, was sich allerdings als nicht ganz so einfach herausstellte. Zum einen sind Austauschschüler dort nichts Besonderes. So gab es noch vier andere Austauschschüler in meiner Klasse. Sie kamen aus Australien, Neuseeland und Deutschland. Zum anderen gab es dort auch ein Internat, und die „Internen“ waren natürlich meistens unter sich. Natürlich ist es so, dass Freundschaft Zeit braucht, und wenn man offen ist und immer wieder auf andere zugeht, klappt es auch! So freundete ich mich mit Louise an, einem netten Mädchen aus der Normandie, die ich einige Male besuchen konnte, trotz täglichem Nachmittagsunterricht.

Da ich sehr gerne klettere, wollte ich auch in Frankreich nicht auf mein Hobby verzichten. Zum Glück war das kein Problem. Nachdem mir meine Gastmutter die Kletterhalle gezeigt hatte, konnte ich wöchentlich meinem Lieblingssport nachgehen.

Viele Unternehmungen mit Gasteltern

Meine Gasteltern haben sehr viel mit mir unternommen. Dazu gehörten mehrere schöne Ausflüge ans Meer, zu den bekannten Hortillonages von Amiens (schwimmenden Gärten von Amiens) und Besuche der Kathedrale von Amiens. Mein Highlight war aber definitiv der einwöchige Urlaub in Paris zusammen mit meiner Gastmutter. Wir ließen wirklich keine Sehenswürdigkeit aus, und es war einfach ein unbeschreibliches Gefühl, den Eiffelturm, den Arc de Triomphe (inkl. Champs-Elysée), die Mona Lisa im Musée du Louvre, Sacré-Coeur auf dem Hügel Montmartre, das Schloss Versailles und vieles andere real zu sehen!

Interessant war es auch, mit meinem Gastvater, einem leidenschaftlichen Jäger, auf die Jagd zu gehen. Zum Glück haben wir aber nichts erlegt; mir als Vegetarierin hätte das wohl ganz schön zugesetzt.

In Frankreich wird generell nicht vor 19.30 Uhr zu Abend gegessen. Dieser Unterschied wurde für mich aber schnell zum Alltag, weil ich als Schülerin normalerweise sowieso nicht vor 17.00 Uhr daheim war und ich dann noch Hausaufgaben zu erledigen hatte.

Da meine Gasteltern sehr gläubig sind, gingen wir jeden Sonntag in die Kirche. Auch das war anfangs etwas ungewohnt für mich, wurde aber mit der Zeit immer mehr zur Normalität. Außerdem lernte ich dort noch weitere Unterschiede zu Deutschland kennen: Bei der Kommunion kommen die Leute in der letzten Reihe als Erste dran, es gibt immer eine Art „Vorsänger“, der alle dirigiert, und man gibt sich sogar zum Friedensgruß ein Küsschen.

Baguette und Mousse au Chocolat

Das Klischee mit dem Baguette stimmt übrigens auch: Jeden Tag und egal zu welchem Essen wird es gereicht! Ein weiteres „Muss“, wenn man in Frankreich ist, ist natürlich die Mousse au Chocolat. Ich werde niemals den Moment vergessen, an dem ich das erste Mal dieses unglaublich köstliche Dessert bei meiner Gastmutter probierte! Einfach einzigartig!

In der Schule war es am Anfang sehr schwierig für mich mitzukommen. Nach einigen Wochen wurde es jedoch immer besser, und am Ende bestand ich sogar das mündliche Probe-Abi in Französisch!

Nette Geschenke zum Abschied

Meine Rückreise trat ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge an. Einerseits war ich froh, bald meine Familie wiederzusehen und mit ihr Weihnachten zu feiern, andererseits musste ich mich auch von meiner Gastfamilie und meinen französischen Freunden verabschieden. Als Abschiedsgeschenk bekam ich von meiner Klasse einen kuschligen Pulli mit Schullogo und ein kleines Buch, in das jeder einen netten Gruß geschrieben hatte. Das hat  mich so berührt, dass ich weinen musste.

In den Sommerferien 2014 kam mich meine Freundin Louise für drei Wochen besuchen. Anschließend flog ich mit zu ihr nach Hause. Es war also – wie geplant – kein Abschied für immer :-), und ich würde dieses Abenteuer jederzeit wieder wagen!

Luisa Kunkel aus Heinrichsthal war im Herbsttrimester 2013/14 mit ICX als Austauschschülerin in Amiens, Frankreich.