„Everything is bigger in Texas“

Das Gefühl, das ich hatte, als ich meine Gastfamilie im März bekam, werde ich nie vergessen! Endlich war ich meinem Traum, ein High School Year in den USA zu verbringen, ein weiteres Stück nähergekommen. Für mich sollte es nach Pearland, einer Vorstadt von Houston in Texas, gehen.

High School USA

Da schon vor meiner Ankunft feststand, dass ich in der Marching Band meiner Schule spielen sollte, ging es für mich schon am 19. Juli Richtung Texas. Ich sollte nämlich das Marching Band Camp Ende Juli auf keinen Fall verpassen. Bei meiner Ankunft am Flughafen holte mich meine gesamte Gastfamilie ab: meine Gast-Eltern Rizza und Steve und meine drei Gastgeschwister Chad (20), Erin (18) und Thea (16). Mit meiner gleichaltrigen Gastschwester Thea verstand ich mich auf Anhieb super. Wir hatten immer viel zu lachen. Noch bevor die Schule für mich anfing, reisten wir alle gemeinsam nach Austin und Fort Worth. Auf diesem Road Trip merkte ich dann auch sofort, dass die Aussage „everything is bigger in Texas“ hundertprozentig zutrifft; denn zehnspurige Highways und riesige Trucks sind in Texas keine Seltenheit!

Auf dem Marching Camp wurde hart für die Show trainiert

Keine zwei Wochen nach meiner Ankunft ging es mit dem Marching Camp auch schon los. In den letzten drei Wochen vor Schulbeginn übten wir bis zu sechs Stunden täglich – bei strahlender Sonne und 40 Grad Wärme – für die neue Show in der kommenden Saison. Noch nie in meinem ganzen Leben war ich so braun gebrannt wie nach diesen drei Wochen!

Viele neue Gesichter an der riesigen High School mit 2.500 Schülern

An meinem ersten Schultag an der Glenda Dawson High School war ich extrem aufgeregt. Da ich während dem Marching Band Camp aber bereits schon viele neue Leute kennengelernt hatte, kannte ich schon einige Gesichter. Trotzdem traf ich bis zum Schuljahresende immer noch neue Mitschüler in den Gängen, denn meine High School war mit über 2.500 Schülern einfach riesig. Aufgrund dieser Größe war das Kursangebot unglaublich vielfältig. Neben den Pflichtkursen Mathe, Englisch und amerikanische Geschichte belegte ich u. a. Fashion Design, Comparative Government und auch die Band zählte zu meinen sieben Schulfächern, die ich jeden Tag hatte.

Die Marching Band Season hat die Gruppe zusammengeschweißt

Meine Freizeit verbrachte ich bis Anfang November, dem Ende der „marching season“, hauptsächlich zusammen mit den anderen Musikern. Dort entwickelten sich für mich über die Monate auch tolle Freundschaften. Wir hatten bis auf Montag jeden Wochentag Probe, an Freitagen begleiteten wir zusätzlich unser Footballteam zu ihren Spielen, und an den Wochenenden gingen wir auf Wettbewerbe, bei denen wir gegen anderen Marching Bands aus der Region antraten. Das absolute Highlight aus dieser Zeit war unser Auftritt im Alamodome in San Antonio vor Tausenden von Zuschauern! Am Ende gingen wir nach diesem Auftritt als die sechzehntbeste Band aus ganz Texas hervor!

Nach Ende der Marching Saison hatte ich auf einmal wieder unglaublich viel Freizeit. Ich entschied mich, Crew-Mitglied beim Schulmusical „Beauty and the Beast“ zu werden. Da ich vorher noch nie Teil einer solchen Musical-Produktion gewesen war, war es eine unglaublich tolle Zeit, die ich nicht missen möchte.

Nach einem halben Jahr wechselte ich die Gastfamilie

Leider hatte ich zum Jahreswechsel immer öfter das Gefühl, dass es zwischen mir und meinen Gasteltern nicht mehr ganz so gut klappte, wie noch am Anfang. Da auch ein Gespräch zusammen mit meiner Koordinatorin vor Ort nicht viel an der Situation ändern konnte, entschied ich mich nach langen Überlegungen und vielen Zweifeln für einen Gastfamilienwechsel. Letztendlich war dies die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Trotz des Wechsels bin ich meiner ersten Gastfamilie unglaublich dankbar für alles, was sie mir ermöglicht hat und dafür, dass sie meine Entscheidung akzeptiert hat und wir nicht im Streit auseinandergegangen sind.

Meine neue Gastfamilie bestand aus meiner alleinerziehenden Gastmutter Lisa, die Lehrerin an meiner Schule war, meinem etwas älteren Gastbruder Jase (18) und meiner Gastschwester Suzanne (19), die in Oklahoma aufs College ging. Wir wohnten zu dritt in einem kleinen Apartment nahe der Schule. Ich verstand mich mit meiner Gastmutter auf Anhieb sehr gut. Wir gingen zusammen mein Promkleid kaufen, machten Yoga, verbrachten viel Zeit zusammen mit meiner neuen Gastoma und hörten ganz viel und laut „Fall Out Boy“, wenn wir im Auto saßen. Über Spring Break kam meine Gastschwester mit zwei Freundinnen zu Besuch. Zu viert fuhren wir nach Galveston an den Strand, ins Museumsviertel nach Houston und zu einem Konzert von Ariana Grande. Es war eine unglaublich tolle und ereignisreiche Woche, die viel zu schnell vorbeiging!

Nach den Frühjahrsferien stand ein zweiter, ungeplanter Wechsel an, aber wieder hatte ich viel Glück!

Kurz nach Spring Break bekam der getrennt lebende Mann meiner Gastmutter einen Herzinfarkt. Von nun an kümmerte sie sich sehr viel um ihn und hatte deswegen kaum noch Zeit für mich. Meine Gastmutter wollte aber, dass ich noch ein paar ereignisreiche Wochen vor meiner Rückkehr nach Deutschland haben sollte und entschied sich schweren Herzens dafür, mich bei einer mit ihr sehr gut befreundeten Familie unterzubringen. Ich beschloss, dass Beste aus diesem ungeplanten Wechsel zu machen und wurde nicht enttäuscht. Wieder hatte ich Glück und verstand mich prima mit meinen neuen Gasteltern Craig und Diane, meiner Gastschwester Paige (18) und meinem jüngeren Gastbruder Robert (15). Ich bin ihnen wirklich unglaublich dankbar, dass sie sich so kurzfristig dazu entschlossen haben, mich für die letzten acht Wochen aufzunehmen!

Die letzten Wochen in Amerika waren vollgepackt mit Highlights:

Band Banquet, der Besuch des Capitols in Austin, Prom, Graduation und die Graduation-Party meiner Gastschwester. So verging die Zeit wie im Flug und ehe ich mich versah, war auch schon mein letzter Schultag. Ich war wirklich sehr traurig darüber, da ich meine High School sehr gerne mochte und die meiste Zeit meines Auslandsjahres an diesem Ort verbracht hatte. Auch der Abschied von meinen Lehrern und dem Band-Direktor fiel mir sehr schwer. Zwei Tage vor meinem Abflug organisierte ich zusammen mit meiner Gastmutter noch eine Abschiedsfeier bei uns im Garten. So konnte ich mit meinen Freunden noch einen letzten schönen Nachmittag verbringen, bevor es für mich wieder nach Deutschland gehen sollte.

Der Abschied am Flughafen war schließlich sehr emotional. Auch wenn ich nur zwei Monate bei meiner letzten Gastfamilie gelebt hatte, waren wir uns doch sehr ans Herz gewachsen. Zum Abschied schenkten sie mir eine kleine silberne Kette mit dem Umriss von Texas. Diese Kette erinnert mich auch heute noch an die vielen glücklichen Momente, die ich in Texas erleben durfte.

Auch wenn ich jetzt schon wieder mehrere Monate zurück in Deutschland bin, denke ich immer noch sehr viel an mein Leben in Texas. Während meiner Zeit dort lernte ich besonders die hilfsbereite und offene Art der Amerikaner schätzen. Ich denke noch heute sehr oft an die vielen tollen Menschen, die ich während meiner Zeit dort kennenlernen durfte. Aber auch persönlich habe ich mich weiterentwickelt. Ich bin jetzt generell viel offener Neuem gegenüber und auch selbstbewusster im Umgang mit fremden Menschen. Die Erfahrungen, die ich in diesem Jahr gemacht habe, wird mir keiner mehr nehmen können, und ich hoffe, dass ich eines Tages zurückkehren kann.

Carla Böge aus Grafenau war mit ICX als Austauschschülerin in Pearland in Texas, USA.