Eine internationale ICX-Familie

„Darf ich vorstellen? Meine Eltern Birgit und Dieter, meine Schwestern Graciema, Maaret und Jackeline und meine Brüder Marian und Steve. Ihr seit Geschwister? Ja klar! Sieht man denn die Ähnlichkeit nicht?“ *grins*

Mmmh….

Ich weiß gar nicht, wie oft ich diesen oder einen ähnlichen Dialog auf der Straße geführt habe. Doch der Reihe nach:

1994 entschied sich mein Bruder, für ein Jahr in die USA zu gehen. Damals begann unsere Familie international zu werden, nicht nur hatten wir nun tolle Kontakte in die USA, sondern im Gegenzug nahmen meine Eltern ein brasilianisches Mädchen auf.  Damals – selbst noch unsicher, wie es auf der Welt so aussieht – dachten wir wochenlang, dass Graciema mit ihrer Oma und ihren Pferden auf einem Baumhaus lebt… Bis wir lernten, dass Austauschschüler nicht immer die richtigen deutschen Worte wählen und erfuhren, dass sie eigentlich von einem Bauernhaus erzählen wollte. Doch obwohl wir 1994 das brasilianische Volk für Baummenschen gehalten haben, kam meine liebe Gastschwester nun schon das zweite Mal zurück nach Deutschland und macht zurzeit eine Fortbildung in Berlin, um sich in Brasilien als Rechtsanwältin weiter zu etablieren.

1997 wagten meine Eltern das Experiment erneut. Sie tauschten mich (ich ging, wie mein Bruder, in die USA) gegen Esteban – „Steve“ – aus Ecuador aus. Steve wurde dann zum heißen Latino in der Nachbarschaft und in seiner Schule. Obwohl er heute glücklich verheiratet ist, bekommt er noch immer Briefe von einem Mädchen, das damals auf ihn stand.

Nun war der Drang nach Austausch bei meiner Familie entfacht. Diesmal bekam ich eine finnische  Gastschwester, der ich dann den Unterschied zwischen Eber und Keiler erklärte, da ihr Deutsch, durch den Besuch der deutschen Schule in Helsinki, schon so gut war, dass man sie fast für eine Deutsche hielt. Maaret gefiel es während ihres Austausches dann so gut, dass sie gleich nach ihrem Abitur für weitere acht Jahre nach Deutschland zum Studieren kam. Ach ja,  zwischendurch machte sie noch einen Austausch in Honduras, einen in Italien und, nicht zu vergessen, lebt nun in der Schweiz, macht aber zurzeit ein Praktikum in den USA. Meine erste Frage an Maaret, wenn wir heute telefonieren, lautet daher immer: „Auf welchem Kontinent bist du gerade?!“

2010 kam es dann, dass ein Mädchen aus Honduras – ausgerechnet Maarets Gastschwester von dort – ihre Gastfamilie wechseln musste. Sie verbrachte dann noch fünf Monate bei uns, und das, obwohl sie jedes Mal vor Angst schrie, wenn unsere Katze um die Ecke kam. Jackeline ist und bleibt für immer unser kleines Nesthäkchen, das doch so gerne auch einmal wie Dornröschen 100 Jahre schlafen wollte, aber immer wieder von der deutschen Pünktlichkeit und Genauigkeit davon abgehalten wurde. Tja, und so kam es, dass nun auch ein Mädchen aus Mittelamerika (ja, sie besteht darauf, dass sie keine Südamerikanerin ist und in Amerika nicht nur Leute aus den USA leben) Teil dieser internationalen Geschwister-Clique wurde.

Geschwister-Clique? JA! Obwohl aus fünf verschiedenen Ländern, schafften wir es nun schon zum dritten Mal, dass sich beinahe alle gemeinsam treffen konnten und die Schüler sich auch untereinander kennenlernten – und nun auch z.B. Graciema aus Brasilien über Maaret aus Finnland sagt: „Das ist meine Schwester aus Finnland“.

Unglaublich aber wahr – hier das aktuelle Beweisfoto!!  Immerhin vier Schwestern aus vier Ländern und zwei Kontinenten im selben Wohnzimmer. Das nenne ich ein  UN- Gipfeltreffen, ach neeee, … eine internationale ICX-Familie!

Verena Härtel aus Berlin ist ICX-Botschafterin, Betreuerin, Interviewerin und Gastschwester.