Eine Herausforderung, die sich lohnt!

Am 26. Januar 2013 traf mein erstes Austauschkind, Fernanda (16 Jahre) aus Brasilien, in Oldenburg ein. Bildhübsch, hochgewachsen und intelligent. Dadurch, dass ich acht Jahre als Ärztin und mit Familie in Brasilien gelebt hatte, war die Kommunikation per se kein Problem.

Fernanda war ein halbes Jahr bei Helge Graef zu Gast

Das Zimmer in meinem Haus plus eigenem Bad und Küche (bei Bedarf zu benutzen) waren natürlich toll, aber wir vereinbarten, alle Mahlzeiten bei mir einzunehmen. Das war ihr auch lieber. Fernanda aß alles bis auf Rosinen und verkonsumierte am Anfang jeden Tag eine Tafel Lind-Schokolade – bis sie zunahm und vorsichtiger wurde.

Die Umgebung von Oldenburg wurde immer am Wochenende erkundet. Fernanda, aus São Paulo kommend, konnte Straßenkarten lesen und fand sich mit Bus und dann mit Bahn sehr schnell zurecht. In der Schule beliebt, war sie glücklich, hatte gute und viele Kontakte. Am Ende unterschrieb die ganz Klasse ein Oldenburg T-Shirt als Andenken. Es gab eine große Fete und davon noch ein gemeinsames Bild – von anderen Geschenken mal abgesehen.

Der Deutschkurs in der VHS hatte ihre Kenntnisse schnell verbessert. Außerdem hatte sie noch den Rotary-Club-Deutschkurs entdeckt und genutzt. Somit sprach sie mit Verzögerung plötzlich ganz gut Deutsch. Mathematisch begabt, kam sie in der Schule auch in den Naturkundefächern gut mit.

Mit Freundinnen fuhr sie nach Hamburg, Hannover, Bremen und Groningen. Wir machten Abstecher nach Köln zum Karneval und nach London, wo sie einen alten Schulfreund wiedertraf. Mehr war zeitlich nicht drin – zumal es ja auch Schulausflüge gab. Letztlich beschlossen wir, dass sie wiederkommen müsse, um hier Flugzeugbau zu studieren. Bei der Aerotec-Niederlassung in Bremerhaven versprach man ihr sogar schon einen Praktikumsplatz.

José bleibt gleich für ein ganzes Schuljahr - denn die Zeit mit einem Austauschschüler vergeht schneller als gedacht!

Im August nahm ich zum zweiten Mal einen Schüler auf

Die Zeit mit Fernanda war zu kurz – ein halbes Jahr reicht nicht. Deswegen kommt José (17 Jahre) aus Ecuador auch für ein ganzes Schuljahr. Seit dem 30.08.2013 ist der liebenswürdige und höfliche, 183,5 cm große Inka-Nachkomme als zweites Austauschkind zu Gast in meinem Haus. Er ist extrem ordentlich und hilfsbereit und macht viel Freude. Sein Deutsch wird Zeit brauchen, aber er lernt fleißig und gut. Außerdem spricht er gut Englisch, sodass wir immer Parallelen finden. Sportler unter dem Herrn, geht er mit mir in den Boxverein, zum Fußball und zum Fitness; und er fährt mit dem Fahrrad zur Schule. Er ist ein guter Esser und sehr verlässlich.

Wir lachen viel, da er sehr lustig ist – wenn auch seinem Alter entsprechend oft mit dem „Kopf in den Wolken“. Er besucht eine Privatschule und findet die Mädchen dort sehr schüchtern. Nun warten wir ab, wie er sich weiterentwickelt. Jungs sollen ja anders sein – ich habe eine Tochter, und er ist schon eine Herausforderung – mir kommt es aber leichter vor. Mal sehen, ob sich der Eindruck weiterhin bestätigen wird.

Jedenfalls kann ich sagen: „Die Idee, ein Austauschkind aufzunehmen, war eine meiner besten Entscheidungen!“

Helge Graef aus Oldenburg hat im 2. Schulhalbjahr 2012/13 Fernanda De Carvalho aus Brasilien in ihr Heim aufgenommen und ist im aktuellen Schuljahr 2013/14 Gastmutter für José Garzon aus Ecuador.