Eine echte Bereicherung

Schon mehrmals erlebten wir Austauschschüler, die von einem verlängerten Wochenende bis zu zwei Wochen bei uns zu Gast waren. Da wir hierbei durchweg gute Erfahrungen machten, lag der Wunsch nahe, auch einmal für eine längere Zeit einen Gastschüler aufzunehmen.

Nach der ersten Kontaktaufnahme mit der Organisation ICX dauerte es mehr als ein Jahr, bis unser mongolischer Gastschüler zu uns kam. Drei Tage lang fand das Einführungsseminar in Berlin statt, bei dem insgesamt 21 Jugendliche aus sieben Ländern auf ihren Aufenthalt in Deutschland eingestimmt wurden. Am 28.08.2009 konnten wir schließlich Seddari Bolormaa am Würzburger Bahnhof abholen.

Sprachliche Schwierigkeiten wurden schnell überwunden

Die Verständigung gestaltete sich zu Beginn unserer gemeinsamen Zeit für alle Beteiligten etwas schwierig. Seddari hatte zwar schon ein Jahr Deutschunterricht genossen, war aber nicht wirklich auf uns Unterfranken vorbereitet. Schon nach kürzester Zeit hatte sich Seddari aber sehr gut in unsere Sprache eingehört und übte sich zunehmend an schriftdeutscher Sprache und Dialekt, war immer aufmerksam und hinterfragte alles, was er nicht kannte. So waren seine Fortschritte in der Sprechfertigkeit von Woche zu Woche deutlich erkennbar.

Stundenlage Gespräche über die Mongolei und Deutschland

Seddari teilte von Anfang an unsere Begeisterung für Gesellschaftsspiele, sodass wir unzählige Stunden mit Skip-Bo, Uno, Rommè, Bohnanza, Spiel des Lebens ... verbrachten. Er beteiligte sich gerne an allen Aktivitäten unserer Familie und im Freundeskreis seiner Gastgeschwister. Besonders schön war es, wenn wir stundenlang zusammen saßen, um über die Mongolei und Deutschland zu reden, über Unterschiede und Ähnlichkeiten, über Sitten und Bräuche, über die Eigentümlichkeiten der Menschen, Christentum, Buddhismus usw. ... Sein enormes Allgemeinwissen, nicht nur über Deutschland, beeindruckte uns immer wieder.

Aus der Schule, vom Fußballtraining, Klavierunterricht oder Jonglieren kam er immer strahlend zurück und erzählte ausführlich, was er neu erlebt oder gelernt hatte. Man merkte ihm immer die Dankbarkeit  und Freude an seinem Aufenthalt in Deutschland an.

Seddari war überall voller Interesse mit dabei

Auch in unserer Gemeinde brachte er sich vielfältig ein. So half er zum Beispiel beim Seniorennachmittag und in der Bücherei mit, war mit Begeisterung als Sternsinger und Klapperer unterwegs und nahm an allen Treffen unserer Jugendgruppe teil, war immer interessiert und aufmerksam. Von unseren Wäldern und Weinbergen war Seddari immer wieder begeistert und bestätigte die Aussage seiner Deutschlehrerin, dass Bayern unser schönstes Bundesland wäre.

Schon bei unserer ersten Begegnung erlebten wir Seddari als einen höflichen, freundlichen, bescheidenen, aber auch gewitzten jungen Mann. Sein offenes und feinfühliges Wesen beeindruckte uns sehr. Wir haben Seddari in unser Herz geschlossen und freuen uns schon darauf, wenn er zum Studium wieder nach Deutschland zurückkommen wird!

P.S.:

Wir sind froh, dass wir über das Internet eine Möglichkeit haben, mit Seddari in Kontakt zu bleiben. Ihm und seiner Familie geht es gut. Inzwischen hat er seine Prüfungen bestanden und kann ab September die Universität besuchen. Er hofft, genau wie wir, dass er baldmöglichst wieder nach Deutschland kommen kann!

Seddaris Aufenthalt in unserer Familie war für uns eine echte Bereicherung. Wir sind uns sicher, dass das nicht selbstverständlich ist und sind deshalb um so dankbarer für diese geschenkte Zeit. Immer wieder werde ich in unserem Wohnort gefragt, wie es ihm geht, was er macht und vor allem, wann er denn wieder kommt. Seddari hat Spuren hinterlassen...

Familie Herzog aus Karlburg war im Schuljahr 2009/10 Gastfamilie für Seddari Bolormaa aus der Mongolei.