Ein Semester auf Vancouver Island – der Insel der Vielfältigkeit

Einen Schüleraustausch zu machen, das beschäftigte mich schon seit Langem. Dafür, dass ich mich letztendlich, nach langen Überlegungen, für Nanaimo auf Vancouver Island entschieden habe, kann ich nur dankbar sein. Die Zeit „am anderen Ende der Welt“ hat mich in jeder Hinsicht bereichert.

Rieke mit ihren Gastgeschwistern

Am 2. Februar 2013 startete ich gemeinsam mit zwei anderen ICX-Schülern von Frankfurt aus, mit Stopp in Toronto und Victoria, nach Nanaimo. Diese etwa 75.000 Einwohner große Stadt – übrigens die zweitgrößte auf Vancouver Island – war ab jetzt für die nächsten fünf Monate unser Zuhause. Da wir in Victoria landeten, stand uns nach dem langen Flug noch eine Autofahrt bevor, die unsere Aufregung nur noch steigerte. Als ich zwei Stunden später endlich im Bett lag, realisierte ich, dass ich angekommen war – in meinem neuen Zuhause.

Nanaimo gefiel mir auf Anhieb

Meine Gasteltern und meine zwei jüngeren Gastgeschwister hießen mich willkommen und integrierten mich in ihren Alltag. Nur ein Sonntag blieb mir zum „Ankommen“, bevor die Schule am nächsten Morgen startete. Der kurze Trip mit meiner Gastmutter zum Einkaufen und durch den Ort gab mir ein Bild davon, wo ich gelandet war. Alles unterschied sich natürlich sehr von meiner Heimat in Deutschland, aber ich weiß noch genau, dass ich mich direkt wohlgefühlt habe dort im regnerischen, direkt an der Küste gelegenen Nanaimo.

Ausflug mit anderen Austauschschülern

Schule als zentraler Treffpunkt

Ich kann nicht sagen, dass ich besonders ausgeschlafen war am ersten Schultag. Aufregung und Jetlag taten ihr Übriges. Auch für die Schüler der Woodlands Secondary School war es der erste Tag nach den Schulferien, weshalb ein wahnsinniges Gewusel in den Gängen herrschte. An meiner Schule gab es einige andere Austauschschüler, was mir den Schulstart total erleichterte.

Generell ist in Kanada die Schule der zentrale Treffpunkt für Freunde, da auch im Nachmittagsbereich fast alle Aktivitäten dort stattfinden. Ich habe mich schnell zurechtgefunden und wohlgefühlt. Die vier verschieden Fächer, die ich wählen konnte, fanden jeden Tag in unterschiedlicher Reihenfolge statt. Dies brachte für mich eine gewisse Stabilität in den Schulalltag. Das Verhältnis zu meinen Lehrern hätte nicht besser sein können. Durch eine viel lockerere Unterrichtsgestaltung als in Deutschland haben Lehrer und Schüler ein sehr viel besseres Verhältnis zueinander. Obwohl ich den Stoff und meine zu erbringenden schulischen Leistungen nicht mit denen in Deutschland vergleichen konnte, habe ich unheimlich viel vom kanadischen Schulalltag mitnehmen können.

Ausflug zum Regierungsgebäude in Victoria

Besonders beeindruckt haben mich das Engagement und der Zusammenhalt der einheimischen Schüler, dem ich mich leicht anschließen konnte. Ob im Sportunterricht oder am „Pink-T-Shirt-Day“ dem nationalen Anti-Mobbing Tag, alle Schüler waren engagiert dabei und animierten andere zum Mitmachen. Viele Aktionen innerhalb der Schule, wie Vorträge über Alkoholmissbrauch oder Veranstaltungen, die das Gemeinschaftsgefühl stärkten, sind mir bis heute in Erinnerung. In der Band, in der ich Klavier spielte, habe ich schnell Anschluss gefunden und eine tolle Zeit verbracht. Ein größeres Abschlusskonzert zum Schuljahresende krönte diese Zeit.

Vancouver, Rocky Mountains, Gletscher und mehr

Durch die Schule und meine Gastfamilie, aber auch durch die verantwortliche Organisation vor Ort, wurde mir vieles möglich gemacht. Allein auf Vancouver Island habe ich viele Dinge gesehen, die landschaftlich beeindruckend waren. Wir sind auf dem Mount Washington Ski gefahren und haben die englisch angehauchte Hauptstadt Victoria besichtigt. Langweilig war es auf der Insel zu keinem Zeitpunkt. Auch die Weltstadt Vancouver ist Dank „B.C. Ferries“ in nur 90 Minuten erreichbar. Die Überfahrt ist wunderschön und Vancouver hat einfach für jeden etwas zu bieten!

Natur pur!

Ich hatte das große Glück, mit meiner Gastfamilie einiges erleben zu können. Wir waren gemeinsam im Urlaub in den USA und haben Tagesreisen mit verschiedenen Zielen auf Vancouver Island unternommen. Als Highlight meiner Zeit in Kanada wird mir die fünftägige Reise in die Rocky Mountains immer in Erinnerung bleiben, die gemeinsam mit anderen Austauschschülern stattgefunden hat. Wir hatten die Chance, so vieles zu besichtigen und haben miteinander eine supertolle Zeit verbracht!

Von Vancouver aus ging es los mit zwei großen Reisebussen, die uns in die Berge brachten. Am beeindruckendsten fand ich persönlich die Columbian Icefields, ein riesiger Gletscher. Von unserem Aussichtspunkt sahen wir hohe, schneebedeckte Berge um uns herum. Dabei standen wir selbst auf hunderte Meter dickem Eis. So etwas erlebt man wirklich nicht alle Tage! Jede Nacht verbrachten wir in einer anderen Stadt mitten in den Bergen. Nicht nur die Sehenswürdigkeiten, auch die Zeit mit meinen Freunden dort war ein unvergessliches Erlebnis!

Ausflug mit der Gastfamilie

An zwei Orten auf der Welt zu Hause

Die fünf Monate in Kanada gingen viel zu schnell vorbei, obwohl ich durchaus auch mal einige Dinge aus Deutschland vermisst habe. Für mich persönlich war die Entscheidung, einen Auslandsaufenthalt in Kanada zu machen, genau richtig, weil ich von dort sehr viel mitnehmen konnte. Ich habe viel über mich selbst gelernt, zum Beispiel bin ich anderen gegenüber offener, habe aber auch gelernt, Probleme schneller anzusprechen und zu lösen. Ebenso wichtig für mich ist das gute Gefühl, mich an zwei Orten dieser Welt zu Hause zu fühlen, wie weit sie auch voneinander entfernt sein mögen. Einen Schüleraustausch in Kanada zu machen, das kann ich wirklich jedem ans Herz legen! ;)

Rieke aus Papendorf war mit ICX als Austauschschülerin in Nanaimo, Kanada.