Australia? Do it!

Australien, Brisbane, Wynnum. Alles begann am 24. Januar 2008 auf dem Flughafen Berlin-Tegel. Zum ersten Mal würde ich für eine lange Zeit – nämlich fünf Monate – von meiner Familie und meinen Freunden getrennt sein. Nach einer tränenreichen Verabschiedung stieg ich in das Flugzeug, das mich 15.633 km weit weg auf den für mich noch unbekannten Kontinent bringen würde.

Schüleraustausch Australien

Mit dem Linksverkehr in Australien hatte ich bereits am Flughafen zu kämpfen. So wollte ich zuerst auch gleich auf der Fahrerseite einsteigen. Es war so ungewohnt, dass ich in den ersten Wochen eher das Bedürfnis hatte, den Straßenverkehr komplett zu meiden.

Die ersten Tage in einer neuen Familie

Bei meiner Familie, den Culleys, fühlte ich mich auf Anhieb wohl. Anders als ich es von zu Hause gewohnt war, lebte ich in Australien mit den zwei älteren Brüdern Tim (26) und Sam (30), meiner Schwester Becky (24) und meiner Gastmutter Yvonne zusammen. Obwohl sie alle sehr herzliche Menschen sind, war es anfangs nicht einfach, mich in dem fremden Haushalt wie zu Hause zu fühlen. Dass es dennoch recht zügig klappte, habe ich vor allem Yvonne zu verdanken. Sie wies mich in alles ein und versicherte mir, dass ich alles benutzen darf.

Die Schuluniform hat mir leichter gemacht, gleich dazuzugehören

Vier Tage nach meiner Ankunft stand schon das nächste aufregende Erlebnis an: mein erster Schultag. Das Christian Outreach College Brisbane ist eine private christliche Schule mit einem riesigen Campus. Eine große Umstellung für mich war die auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftige Schuluniform. Auch wenn ich mich darin zuerst etwas seltsam fühlte (besonders mit der Krawatte und dem Hut), habe ich doch schnell gemerkt, welche Vorteile so eine Uniform hat. Ich hob mich äußerlich überhaupt nicht von den anderen ab und so fiel es mir viel leichter, auf meine Mitschüler zuzugehen.

Schüleraustausch Australien

Schule in Australien ist ganz anders als in Deutschland:

Es gibt mehr Möglichkeiten, Sport zu treiben, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Auch ist die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern viel intensiver. Es gibt weniger Wahl-Fächer, und Noten bekommt man nur durch Assignments, was mit kleineren Facharbeiten gleichzusetzen ist. Dank der guten Unterstützung von Mitschülern und Lehrern konnte ich dem Stoff ohne größere Schwierigkeiten folgen. Schneller als ich dachte, bekam mein Leben in Australien dann einen Rhythmus: Die Schule endete jeden Tag um 15.20 Uhr, danach ging es im Bus nach Hause oder zum Sport.

Unberührte Natur und offene Menschen

Dieser Fünfte Kontinent ist so ganz anders als Deutschland. Dies bezieht sich zum einen auf die unberührte Natur und zum anderen auf die australische Lebenseinstellung. Australier sind wirklich aufgeschlosse Menschen, die interessiert und neugierig auf Unbekanntes sind. Bereits auf dem Hinflug habe ich mich stundenlang mit meinem australischen Sitznachbarn über sein Leben im Outback unterhalten. Durch diese Offenheit ist es auch viel leichter, Freunde zu finden.

Highlights meines Aufenthalts waren vor allem die unglaublich schönen Wochenend-Ausflüge, für die die Australier bekannt sind. Zusammen mit Freunden und der Familie fuhren wir unter anderem zu den Moreton Islands mit den höchsten Sanddünen der Welt, dann zu der Byron Bay mit den besten Surfshops und -spots. Wir waren auch auf Streadbroke Island, wo es türkisfarbenes Wasser und endlose, einsame Sandstrände gibt, und schließlich besuchten wir Noosa mit seinen gemütlichen Shops und Cafés, umgeben von vielen kleinen Inseln.

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Rundflug mit dem Wasserflugzeug

Auf Streadbroke Island wurde ich sogar einmal zu einem Rundflug mit dem Wasserflugzeug eingeladen. Es war ein unglaubliches Erlebnis, die wunderschöne Natur Australiens auch einmal aus der Luft bewundern zu können. Die Erinnerung an solche Highlights verdeutlicht mir auch jetzt noch immer, wie unglaublich schön Australien doch ist.

Das Leben hätte so weiter gehen können...

Das Leben hätte, wenn es nach mir gegangen wäre, so weitergehen können. Doch leider musste ich sechs Wochen vor meiner Abreise aufgrund familieninterner Probleme die Gastfamilie wechseln. Das fiel mir zwar sehr schwer, doch dank Nivi, der Direktorin der Partner-Organisation ISCA, lief der Wechsel schnell und reibungslos ab. Bereits zwei Tage später war eine neue Gastfamilie gefunden, mit denen ich die besten sechs Wochen meines Lebens verbrachte. Die Kressibuchers hatten im Gegensatz zu den Culleys Kinder in meinem Alter, mit denen ich mich auf Anhieb gut verstand: Curtis (12), Katija (15) und Michail (18). Die tollen Erlebnisse mit ihnen und die Vorfreude auf die noch anstehenden Trips nach Melbourne und Sydney ließen mich die baldige Abreise schnell vergessen. So verbrachte ich noch einmal zwei volle Wochen in den atemberaubenden Metropolen Australiens.

Hals über Kopf in Australien verliebt

Der Abschied fiel mir alles andere als leicht. Ich hatte mich Hals über Kopf in Australien und das Leben dort verliebt und außerdem zwei wundervolle Familien kennen gelernt und viele neue Freunde gewonnen. Die fünf Monate sind viel zu schnell vergangen, aber ich bin sicher, dass ich zurückkommen werde, denn die Zeit in Australien war die beste, die ich je erlebt habe. Ich kann jedem, der noch zögert, nur raten: Do it!

Kim Hoffmann aus Kleinmachnow, Austauschschülerin in Brisbane, Australien, im 1. Schulhalbjahr 2007/2008