365 Tage Down Under

4. Juli 2006: Für mich und vier weitere Austauschschüler war dieser Dienstag der Tag, an dem eine lange und erlebnisreiche Reise begann. Eine Reise, die mich ans andere Ende der Welt brachte. Mein Ziel: Brisbane, Australien.

 

Schüleraustausch Australien

Kaum hatten wir das Flugzeug in Singapur verlassen, erreichte uns die Nachricht, dass Deutschlands Nationalelf im Halbfinale gegen Italien gescheitert war. Doch um ganz ehrlich zu sein, es interessierte uns wenig, denn wir waren viel zu gespannt auf unsere neue Heimat.

Die Australien haben meine Grundeinstellung komplett ins Positive verändert

Als ich einige Stunden später am Brisbane International Airport aus dem Flugzeug stieg, war meine Nervosität kaum noch zu überbieten. Doch sobald ich meinen Gasteltern gegenüberstand und von ihnen in die Arme geschlossen wurde, waren all meine Sorgen verflogen. Die Offenheit und Wärme meiner neuen Familie half mir, mich schnell einzuleben. Erst später wurde mir bewusst, dass diese Art von Aufgeschlossenheit und Herzlichkeit ein typisches Merkmal der Australier ist. Ich werde nie vergessen, wie positiv, fröhlich und unbeschwert die Menschen Down Under sind. Es hat meine ganze Grundeinstellung komplett verändert. Ich habe erkannt, dass eine optimistische Lebenseinstellung das Leben viel lebenswerter macht.

Landeskunde-Trip mit der Partnerorganisation

Etwas später im August war auch schon der erste Trip geplant. Mit Nivi Das, der Direktorin der ICX-Partnerorganisation ISCA, fuhren wir für eine Woche zunächst nach Harvey Bay (eine kleine Stadt einige Stunden nördlich von Brisbane, die für ihre Whale Watching Tours bekannt ist), nach Fraser Island (die größte Sandinsel der Welt) und weiter nach Lady Elliot Island (eine kleine Insel am Great Barrier Reef). In dieser Woche habe ich die bisher schönste Zeit meines Lebens verbracht. Nicht nur, weil ich sehr wichtige Freundschaften geschlossen habe, sondern auch, weil dieser traumhafte Teil Australiens nach meiner Meinung einfach der schönste Ort der Welt ist. Die kilometerlangen Strände, das himmelblaue, weite Meer und der wundervolle Sonnenschein vermitteln ein unglaubliches Gefühl von Freiheit. Unter diesem Eindruck waren Schnorcheln, Wasserskifahren, Reiten und Whale Watching fast nur Nebensache.

Faszinierend - Wüste pur

Kaum waren wir wieder zu Hause, stand auch schon der nächste Trip an. Diesmal ging es ins Landesinnere: Alice Springs und Ayers Rock mitten im Outback sollten unsere Reiseziele sein. Um das zu überstehen, muss man gegen einiges gewappnet sein. Überall wird man von Fliegen verfolgt, nachts trifft man schon mal die eine oder andere meterlange Echse, und falls man sich entscheidet, unter freiem Himmel zu schlafen, sollte man sich nicht zu sehr von dem entfernten Geheul der Dingos verrückt machen lassen. Es war Wüste pur!

Schüleraustausch Australien

Kurz vor Weihnachten bei 35 °C hatte ich zusammen mit anderen Austauschschülern die Möglichkeit, nach Neuseeland zu reisen. Ich wusste, dass auf dieser Insel die Farbe Grün vorherrscht. Das hat sich mehr als bestätigt. Bei einem Roadtrip über den gesamten Norden Neuseelands sahen wir jede Menge grüne Weiden, die aussahen wie weiche, grüne Teppiche. Teppiche mit weißen Punkten: Schafe. Neuseeland ist ganz anders als Australien, aber das Meer ist ebenso schön und auch das Wetter kann durchaus mithalten.

Weihnachten im Sommer

Und dann feierten wir ein komplett anderes Weihnachten als in Deutschland. Ein "kleiner" Teil meiner Gastfamilie, ungefähr 60 Menschen (ja, die Australier sind sehr familienorientiert), traf sich bei meiner Gastgroßmutter, die am Strand lebt. Das Menü bestand nicht aus Gans oder Braten, sondern aus Barbecue. Zum Nachtisch gab es eine herrliche Eistorte. Eine Woche später begrüßte ich mit meiner Gastfamilie das Jahr 2007 an der Harbour Bridge in Sydney. Noch nie habe ich solch ein großes und beeindruckendes Feuerwerk gesehen.

Die zweite Hälfte meines Auslandsaufenthaltes ging ich etwas ruhiger an. Nachdem ich an meinem ersten Surfcamp teilgenommen hatte, kam ich nach zwei Monaten Ferien in die 12. Klasse. Die Tests in der Schule wurden anspruchsvoller. So gut wie nie dachte ich an das, was in Deutschland auf mich wartete. Ich hatte zu meiner Gastfamilie ein großes Vertrauen aufgebaut, sodass ich mir kaum noch vorstellen konnte, sie jemals wieder zu verlassen.

Ich gehe sicher noch einmal nach Australien zurück!

Tatsächlich ging das zweite Halbjahr schneller als ich es je gedachte hätte zu Ende. Auf den Tag genau ein Jahr später landete ich wieder in Deutschland. Zwar war ich überglücklich, meine Eltern wieder in die Arme schließen zu können, doch es dauerte einige Zeit bis mir bewusst wurde, dass ich in nächster Zeit keine Koalas mehr im Garten sehen und kein Weihnachten am Strand verbringen würde. Dafür habe ich neue Ziele, und diese werden mich mit Sicherheit nach Australien zurückbringen.

Anna-Lena Hildebrand aus Petershagen, Austauschschülerin in Brisbane, Australien, im Schuljahr 2006/07