Ein zweites Zuhause in Michigan

Meine Reise begann in Stuttgart und endete nach vielen Flugstunden in Detroit, Michigan, wo mich meine Gastfamilie in Empfang nahm. Ich verstand mich von Beginn an mit der Anstett Family, mit der ich zuvor nur über Facebook oder telefonisch Kontakt hatte.


Schüleraustausch USA

Ich war unglaublich nervös, während ich auf mein Gepäck wartete und vor allem, als ich dann in die Empfangshalle des Flughafens trat. Das erste Aufeinandertreffen war sehr herzlich und ich fühlte mich sofort wohl. Wir fuhren nach Tecumseh, einem kleinen Ort nahe der Grenze zu Ohio. Alles war so wahnsinnig spannend. Ich merkte sofort, was der Unterschied zwischen dem Lernen und dem Leben mit der Sprache war. Mir fehlten andauernd Wörter und ich fragte mich, wie lange es dauern würde, bis ich die fremde Sprache so beherrschte wie meine eigene.

Neue Freunde in der Marching Band

Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass es zwischen mir und meiner Familie in der Kommunikation keine Probleme gab. So dauerte es nur kurze Zeit bis ich mich an mein neues zu Hause, in dem auch zwei Hunde lebten, gewöhnt hatte. Dann begann das Band Camp. Mit meinem Bruder Justice, der wie ich Schlagzeug spielt, ging ich eine Woche lang täglich für viele Stunden zur Schule, um das Programm der Marching Band zu lernen. Ich wurde einer von vier Snare Drummern.

Schüleraustausch USA

Das Marschieren war sehr ungewohnt und auf die Dauer wahnsinnig anstrengend, doch nach ein paar Tagen verstand ich die meisten Abläufe. Die anderen Bandmitglieder waren äußerst interessiert, mich kennenzulernen und sich mit mir zu unterhalten. Sie überhäuften mich mit Fragen, wie mir Amerika gefiele und ob man auf „the Autobahn“ wirklich so schnell fahren darf wie man will. Ich fand in dieser Woche, die anstrengend, aber erfolgreich war, viele neue Freunde.

An der High School Zeit mit Freunden verbringen

Die Tecumseh High ist eine sehr neue und moderne Schule mit rund 1.000 Schülern. In den ersten Tagen stellten sich mir so viele neue Leute vor, dass ich mir nicht alle Namen merken konnte. Doch alle waren nett und sehr offen mir gegenüber. Ich brauchte rund zwei Wochen, bis ich mein Schedule verstanden hatte und pünktlich zu meinen Klassen kam.

Der Unterricht selbst erschien mir relativ leicht, verglichen mit dem, was ich von zu Hause kannte. Ich brauchte kaum zu lernen und konnte mir viel Zeit für meine neugewonnen Freunde nehmen.

Ein zweiter Freundeskreis: mein Fußballteam

Ich nahm auch an den Soccer Tryouts teil und wurde vom Coach ins Team aufgenommen. Mit den Jungs im Fußballteam baute ich mir einen ganz neuen und engen Freundeskreis auf. Wir trainierten fünfmal die Woche, was zu Beginn sehr anstrengend war, doch mit der Zeit gewöhnte ich mich auch daran.

Ich war fast jeden Tag unterwegs mit Freunden, in der Schule oder beim Training. An den Wochenenden unternahmen wir Ausflüge mit der Familie. Wir waren in Detroit, am Lake Michigan oder blieben einfach daheim und sahen uns die sonntäglichen Footballspiele an. Ich war wirklich zu einem festen Teil der Familie geworden.

Mit meiner Familie in Deutschland sprach ich einmal wöchentlich über Skype und wir schrieben uns auch immer wieder längere E-Mails. Natürlich vermisste ich meine Familie, doch es war nicht so schlimm, wie man es vielleicht vermuten würde.

Schüleraustausch USA

Unvergesslich: Das Eminem-Konzert in Detroit

Ich mag Detroit sehr und besuchte die Stadt einige Male während meines Aufenthalts. Nicht zuletzt, um das Konzert meines Lieblingsrappers Eminem zu sehen, der in der Stadt aufgewachsen ist. Mein Gastvater und ich gingen zu dem Konzert und ich werde den Abend niemals vergessen.

Wir besuchten auch ein Spiel der Detroit Red Wings, dem Hockeyteam von Detroit, von dem ich immer noch ein Fan bin.

Der Abschied aus Amerika fiel mir wahnsinnig schwer

Meine Familie aus Deutschland kam nach Tecumseh und holte mich ab. Ich hatte eine große Abschiedsparty und einige Freunde blieben über Nacht, um dabei zu sein, wenn ich am darauffolgenden Morgen abreisen würde. Ich hatte keine Vorstellung davon, wie schwer ein solcher Abschied sein kann. Tecumseh ist wie eine zweite Heimat für mich geworden und die Familie Anstett mein zweites Zuhause. Ich habe auch schon einen Flug für den kommenden Sommer gebucht, in dem ich nach Michigan zurückkehren werde.

Mathias Renz aus Böblingen war im Schuljahr 2010/11 mit ICX als Austauschschüler in Michigan, USA.